Inge Patsch

Jahrgang 1952, 2 Kinder und 5 Enkelkinder sind das Wesentliche!

Ja, und für mich wurde die Logotherapie zu einer treuen Freundin. Vor mehr als dreißig Jahren zog mich die Lehre von Viktor E Frankl in ihren Bann und ließ mich nie mehr los.

Mir ging es jedoch nie um ein Befolgen dessen, was Viktor E. Frankl mit seinem Werk der Existenzanalyse und Logotherapie geschaffen hat, sondern um jene Inspiration, die mich tief in meiner Seele berührt und den Verstand herausfordert, die Sinnlehre zu verstehen und sie auch im Alltag anzuwenden.

 


Die Einladung von Stefan Hund zu einem Podcast

 

über meine Stunde Null hat mich sehr gefreut.

 

Hier ist der Link zum Talk online


Ich erinnere mich als ob es gestern gewesen wäre an einen Gedanken der auf Seite 101 der Ärztlichen Seelsorge steht:

 

Glaube, Liebe und Hoffnung lassen sich nicht

manipulieren und fabrizieren.

Niemand kann sie befehlen.

 

Selbst dem Zugriff des eigenen Willens entziehen sie sich.
Ich kann nicht glauben wollen,
Ich kann nicht lieben wollen,
ich kann nicht hoffen wollen -
und vor allem kann ich nicht wollen wollen.

Frankls Logotherapie für mich Befreiungslehre und keine Befolgungslehre.

 

Die Logotherapie war und ist für mich der Weg in die Freiheit durch das Bewusstwerden meiner persönlichen Verantwortung. Frei von Rezepten, Normen, Regeln und Geboten, dafür offen und bereit zu menschlicher Nähe, Mitgefühl, Lebensfreude, Begeisterung, Dankbarkeit und Liebe.

Freiheit heißt nicht: Heute so morgen so. Freiheit im Sinne der Logotherapie wurde für mich zu jener beglückenden Herausforderung, Antworten auf die Fragen zu finden, die mir das Leben stellt. Im Laufe meines Lebens waren das einige und leicht war es nie, doch sehr erfüllend. Im Rückblick entdecke ich: Dem Leben selbst hätte ich viel öfter vertrauen können, dann hätte ich mich nicht so überfordert.

Seit dem Ostersonntag 2022 bin ich siebzig und neugierig, was mich das Leben noch alles fragen wird.

Ein Wofür tauchte immer wieder auf: Ermutigen. Andere und mich selbst. Menschen ermutigen ist für mich zur Leidenschaft geworden und bedeutet für mich jenes Trotzdem, das Menschen - trotz Verzweiflung - standhalten lässt.

Dazu fiel mir ein Gedanke ein, den mir meine Mutter anlässlich eines tragischen Todesfalls geschrieben hat: "Danke für deine Gabe auch in aussichtslosen Stunden immer noch ein ermunterndes Wort zu finden."

 

Ich bin am Begriff "Gabe" hängen geblieben. Viktor E. Frankl würde sagen, dass diese Gabe zu meinem Charakter gehört, also zu meinem psychologischen Schicksal. Er ist auch überzeugt, dass wir unser Schicksal gestalten und die Gaben, die uns das Leben geschenkt hat, pflegen können.

Es ist eben nicht nur eine Gabe, voll Vertrauen und Zuversicht in die Welt zu schauen, man muss sich mit ihr auch befassen und diese Gabe auch nähren.

So habe ich mir im Laufe des Lebens einen Trostspeicher geschaffen, einiges befindet sich in mir und vieles an Inspiration ist um mich, auch in meinem Wohnbereich. Ich brauche Erinnerungshilfen, die mich darauf hinweisen, dass es mehr gibt als mich. Neben wunderbaren Menschen gehören die Natur, die Literatur und die Musik wohl zu den größten Quellen meiner Inspiration.

 

Entscheidend bei allem, was mir begegnet, mich erfüllt oder belastet bleibt jedoch das, was ich daraus mache. Johann W. v. Goethe beschreibt dieses Phänomen vom Wort zur Tat in seinem Faust.

Geschrieben steht: Im Anfang war das Wort!
Hier stock' ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
Ich muss es anders übersetzen,
Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.
Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.
Bedenke wohl die erste Zeile,
Dass deine Feder sich nicht übereile!
Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!
Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
Schon warnt mich was, dass ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist! Auf einmal seh' ich Rat
Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!