Über mich

Inge Patsch

Jahrgang 1952, 2 Kinder und 5 Enkelkinder sind das Wesentliche

 

Ja, und für mich wurde die Logotherapie zu einer treuen Freundin. Vor dreißig Jahren zog mich die Lehre von Viktor E Frankl in ihren Bann und ließ mich nie mehr los.

Mir ging es jedoch nie um ein Befolgen dessen, was Viktor E. Frankl mit seinem Werk der Existenzanalyse und Logotherapie geschaffen hat, sondern um jene Inspiration, die mich tief in meiner Seele berührt und den Verstand herausfordert, die Sinnlehre zu verstehen und sie auch im Alltag anzuwenden.

Ich erinnere mich als ob es gestern gewesen wäre an einen Gedanken der auf Seite 101 der Ärztlichen Seelsorge steht:

 

Glaube, Liebe und Hoffnung lassen sich nicht

manipulieren und fabrizieren.

Niemand kann sie befehlen.

 

Selbst dem Zugriff des eigenen Willens entziehen sie sich.
Ich kann nicht glauben wollen,
Ich kann nicht lieben wollen,
ich kann nicht hoffen wollen -
und vor allem kann ich nicht wollen wollen.

Überhaupt ist Frankls Logotherapie keine Befolgungslehre, sondern eine Befreiungslehre.

 

Die Logotherapie war und ist für mich der Weg in die Freiheit durch das Bewusstwerden meiner persönlichen Verantwortung. Frei von Rezepten, Normen, Regeln und Geboten, dafür offen und bereit zu menschlicher Nähe, Mitgefühl, Lebensfreude, Begeisterung und Dankbarkeit.

Das bedeutet ja nicht, Spielregeln nicht zu beachten und Freiheit heißt auch nicht: Heute so morgen so. Freiheit im Sinne der Logotherapie wurde für mich zu jener beglückenden Herausforderung, Antworten auf die Fragen zu finden, die mir das Leben stellt. Im Laufe meines Lebens waren das einige und leicht war es nie, doch sehr erfüllend. Im Rückblick entdecke ich: Dem Leben selbst hätte ich viel öfter vertrauen können, dann hätte ich mich nicht so überfordert.

Demnächst beginnt mein siebzigstes Lebensjahr und ich habe mich gefragt, wofür möchte ich in den nächsten Jahren leben? Mit dieser Frage bin ich immer wieder spazieren gegangen.

Ein Wofür tauchte immer wieder auf: Ermutigen. Andere und mich selbst. Ermutigen bedeutet für mich jenes Trotzdem, das Menschen standhalten und nicht verzweifeln lässt.

Dazu fiel mir ein Gedanke ein, den mir meine Mutter anlässlich eines tragischen Todesfalls geschrieben hat: "Danke für deine Gabe auch in aussichtslosen Stunden immer noch ein ermunterndes Wort zu finden."

Ich bin am Begriff "Gabe" hängen geblieben. Viktor E. Frankl würde sagen, dass diese Gabe zu meinem Charakter gehört, also zu meinem psychologischen Schicksal. Er ist auch überzeugt, dass wir unser Schicksal gestalten können oder die Gaben, die uns das Leben mitgegeben hat, pflegen können.

Es ist eben nicht nur eine Gabe, voll Vertrauen und Zuversicht in die Welt zu schauen, man muss sich mit ihr auch befassen und diese Gabe auch nähren.

So habe ich mir im Laufe des Lebens einen Trostspeicher geschaffen, einiges befindet sich in mir und vieles an Inspiration ist um mich, auch in meinem Wohnbereich. Ich brauche Erinnerungshilfen, die mich darauf hinweisen, dass es mehr gibt als mich. Neben wunderbaren Menschen gehören die Natur, die Literatur und die Musik wohl zu den größten Quellen meiner Inspiration.

 

Entscheidend bei allem, was mir begegnet, mich erfüllt oder belastet bleibt jedoch das, was ich daraus mache. Johann W. v. Goethe beschreibt dieses Phänomen vom Wort zur Tat.

Geschrieben steht: Im Anfang war das Wort!
Hier stock' ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
Ich muss es anders übersetzen,
Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.
Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.
Bedenke wohl die erste Zeile,
Dass deine Feder sich nicht übereile!
Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!
Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
Schon warnt mich was, dass ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist! Auf einmal seh' ich Rat
Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!

Trostspeicher Natur

 

"Sie ist der äußere Taktgeber, der unser Vertrauen stärken könnte. Die Tatsache, dass auf Dunkelheit immer wieder Helligkeit folgt, ist ein grundlegender Aspekt für Vertrauen. Der Wechsel von Tag und Nacht ist uns allen vertraut. Besonders jene, die schlaflose Nächte aufgrund seelischer oder körperlicher Schmerzen kennen, erfahren, wie viel Hoffnung in der Dämmerung des Morgens liegt. Hoffnung bedeutet, die Sonne zu ahnen, auch wenn sie noch nicht scheint."

Aus: Die Logik des Herzens

 

Trostspeicher Musik

"Lass nun ruhig los das Ruder. . . von Reinhard Mey


Trostspeicher Buch

Auf der Seite des Tiroler Instituts für Logotherapie gibt es eine Seite mit Buchtipps.



Geschichte zur Inspiration

aus: "Mich in meinem Leben finden"

Im Alter von fünfzig Jahren wurde ich arbeitslos und innerhalb von drei Monaten hatte ich mich bei mehr als dreißig Stellen beworben. Von den meisten Firmen erhielt ich keine Rückmeldung und jene, die sich die Mühe einer Absage machten, schrieben mir, dass ich überqualifiziert sei, was so viel bedeutet wie: zu alt und zu teuer. Nach drei Monaten war mir klar, mehr Energie in neuerliche Bewerbungen zu stecken hatte keinen Sinn. So wagte ich den Schritt in die berufliche Selbständigkeit und zwar in den Bereich der Erwachsenenbildung. Diese kannte ich bisher nur von der Teilnehmerinnenseite und von meiner Ausbildung in Logotherapie und Existenzanalyse. Mich hat die Sinnlehre von Viktor E. Frankl begeistert, doch die Logotherapie beruflich auszuüben, daran hatte ich nie gedacht. Im Blick zurück kommt es mir fast wie ein Märchen vor. Im Märchen müssen die Helden, bevor sie glücklich bis an ihr Ende leben, jede Menge an Schwierigkeiten überwinden. Ganz ähnlich ist es im Leben.


Meine Bücher

Taschenbuch

12. Auflage