September 2021 - September 2022

Viktor E. Frankl

 

Am 2. September 2022 jährt sich der Todestag von Viktor Frankl zum 25. Mal.

 

Zwischen dem Geburtstag und dem Sterbetag steht auf Grabsteinen ein Gedankenstrich.

"Es kommt nicht darauf an, wie viel Zeit man auf der Erde lebt, sondern wie viel man aus dem Gedankenstrich macht." Dieser Gedanke von Joan Erikson brachte mich auf die Idee aus dem Werk von Viktor Frankl einiges auszuwählen und mit Menschen zu teilen, die an der Existenzanalyse und Logotherapie interessiert sind.

 

Viktor Frankl hat sehr viel aus seinem "Gedankenstrich" gemacht und eine kleine Auswahl davon können Sie im Lauf des kommenden Jahres auf dieser Seite lesen. Ich wähle Gedanken aus, die nicht so bekannt sind und freue mich, wenn mich einige auf dieser "Reise zum persönlichen Sinn" begleiten.

Monatlich werden jeweils zwei Sinnimpulse auf dieser Seite zu lesen sein.


Gedanken von Viktor E. Frankl

Mai Sinnimpuls Nr. 16

„Der Wille zum Sinn ist also etwas Ursprüngliches, etwas Eigentliches, etwas Echtes, und als solches wäre er auch seitens der Psychotherapie ernst zu nehmen.
Was da not tut ist, ich möchte sagen, ein Entlarvung der Entlarver.
Vor dem Echten müsste die Entlarvungstendenz nämlich haltmachen können -

tut sie es nicht, dann steht hinter der Entlarvungstendenz - des „entlarvenden“ Psychologen eigene Entwertungstendenz.“"

Die Psychotherapie in der Praxis, München 1986


Es gibt nicht "den Sinn" im Leben, sondern das Sinnvolle wechselt mit den Interessen und ist von unterschiedlichen Altersstufen abhängig. Interessen sind ebenso unterschiedlich wie Werte, die uns am Herzen liegen. Zum Glück lieben nicht alle dassselbe. Sonst würde man wahrscheinlich nie eine Karte ergattern für den Lieblingssänger, die Lieblingstänzerin oder den Lieblingsschauspieler. Ja, ich rede gerne von "Lieblingen", die mich begeistern, ob es die Tanzcompany in Innsbruck ist oder die Findling aus Rum oder Sidney Poitier in Film "Lilien auf dem Felde", wenn er "Amen" singt.

Von kaum einem Politiker habe ich mehr gelesen als von Helmut Schmidt, dem ehemaligen deutschen Bundeskanzler und ich habe viel aus seinen Büchern gelernt. Fragt mich aufgrund meiner Begeisterung jemand, wie ich dem oder jenem zuhören könne, ob ich denn nicht wüsste, dass . . . . Und dann bekomme ich ganz Orgien von Verdächtigen zu hören, was die oder der alles angestellt hat.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der zu viel verdächtigt wird und das Echte mit Füßen getreten. Dieser Entwertungstendenz, mit der wir alle mehr oder weniger konfrontiert sind, sollten wir Einhalte gebieten.

 

Eine sehr einfache Frage könnte die "Verdachtschöpfer" stoppen: "Woher weißt du das? Bist du dabei gewesen?"

 

Wir können lernen Verdacht von Aufrichtigkeit zu unterscheiden und wir sollten uns weigern mitzuspielen, wenn Menschen abgewertet werden.