September 2021 - September 2022

Viktor E. Frankl

 

Am 2. September 2022 jährt sich der Todestag von Viktor Frankl zum 25. Mal.

 

Zwischen dem Geburtstag und dem Sterbetag steht auf Grabsteinen ein Gedankenstrich.

"Es kommt nicht darauf an, wie viel Zeit man auf der Erde lebt, sondern wie viel man aus dem Gedankenstrich macht." Dieser Gedanke von Joan Erikson brachte mich auf die Idee aus dem Werk von Viktor Frankl einiges auszuwählen und mit Menschen zu teilen, die an der Existenzanalyse und Logotherapie interessiert sind.

 

Viktor Frankl hat sehr viel aus seinem "Gedankenstrich" gemacht und eine kleine Auswahl davon können Sie im Lauf des kommenden Jahres auf dieser Seite lesen. Ich wähle Gedanken aus, die nicht so bekannt sind und freue mich, wenn mich einige auf dieser "Reise zum persönlichen Sinn" begleiten.

Monatlich werden jeweils zwei Sinnimpulse auf dieser Seite zu lesen sein.


Gedanken von Viktor E. Frankl

September Sinnimpuls Nr. 24

„Was uns vorwärtsführt

und weiterhilft,

was uns geleitet und leitet, das ist:
Verantwortungsfreude.

 

Wie steht es jedoch um die Freudigkeit des durchschnittlichen Menschen, Verantwortungsfreude auf sich zu nehmen?“

Die Sinnfrage in der Psychotherapie



Verantwortungsfreude ist für mich eine Art Regenbogen, der zu leuchten beginnt, in dem ich mich dem widme, was mich berührt, begeistert und ich gerne mit anderen teilen möchte.

Das Bild dieses Regenbogens entstand in Axams einige Tage vor der Tagung "Und? . . . Trotzdem!!!" zum 25. Todestag von Viktor E. Frankl.

Wie eine Sache ausgeht, in die man all das, was man selbst fähig ist zu leisten, hineinlegt, das weiß man nie. Für diese Tagung am 2. September im Haus der Musik habe ich in den letzten fünf Monaten alles gegeben, was mir möglich war. Ideen umgesetzt, die mir zugeflogen sind, daher begannen die Tage sehr früh, meistens kurz nach vier Uhr in der Früh. Im Mittelpunkt stand meine Verantwortungsfreude in Verbindung mit einer Einstellung, die mir seit meiner Jugend vertraut ist.

Václav Havel hat diese Einstellung in einer Rede im April 1990 auf den Punkt gebracht:

„Mir scheint, dass ich ständig etwas schaffe,

etwas organisiere oder für etwas kämpfe,

eigentlich nur,

um mein ewig bezweifeltes Recht auf Existenz zu verteidigen.“

 

Ja, ich bin mir dessen bewusst, dass ich manchmal mehr tue als mir gut tut. Doch bei dieser Tagung war es anders - vom Beginn der Entscheidung hat mir alles gut getan. Die Entscheidung fiel durch den Zuspruch von Markus Traxl beim Skifahren am Ostermontag. Den großen Saal im Haus der Musik hatte ich bereits reserviert. Aufgrund der schwierigen Bedingungen durch Corona waren meine Zweifel groß, ob die Tagung durchführbar sein wird, vor allem, sind die Kosten finanzierbar? Als die Entscheidung klar war, begann ich umgehend zu arbeiten: Menschen einladen, die zu dieser Veranstaltung Sinnvolles beitragen können und dann die Umsetzung, ein Prospekt gestalten und die Homepage, die Arbeit am Computer, das Beantworten der Mails, die Ideen zum eigenen Vortrag und die Vorbereitung mit Eric Ginestet, einem wunderbaren Atem- und Stimmlehrer mit der genialen Fähigkeit, die Dramaturgie eines Vortrages so zu gestalten, dass ein interessiertes Zuhören möglich ist.

Verantwortungsfreude ist nicht gleich bedeutend mit Spaß, sondern mit großem Einsatz und intensiver Begeisterung. Zur Begeisterung hat Erika Pluhar zu einem Kongress 2012 folgenden Text geschrieben:

"Begeisterung birgt nicht umsonst das Wort GEIST in sich
Begeisterung ist beflügelter Geist und geistvolle Freude
Hat nichts mit Euphorie oder Ekstase zu tun –
Ist nüchtern, hell, auf kluge Weise bewegend
Begeisterung ist kein Zustand, in den man geraten

aus dem man stürzen kann
Der Mensch begeistert sich FÜR etwas
Nicht sein ICH zählt dabei,

sondern das Andere dem die Begeisterung gilt   
Und stets ist dieses Andere Teil des Lebens.

Wer nie begeistert lebt, lebt nicht."

Gedanken von Viktor E. Frankl

September Sinnimpuls Nr. 25

"Glaube, Liebe, Hoffnung lassen sich nicht manipulieren und fabrizieren. Niemand kann sie befehlen. Selbst dem Zugriff des eigenen Willens entziehen sie sich.
Ich kann nicht glauben wollen,
Ich kann nicht lieben wollen,
ich kann nicht hoffen wollen -
und vor allem

kann ich nicht wollen wollen."

 

Blick auf den Attersee

vom Hochlecken

Montag, 5. September 2022


Nun habe ich nicht nur die Idee der 25 Sinnimpulse in die Tat umgesetzt. Der Tyrolia Verlag fand die Idee gut und hat aus meiner Idee ein Büchlein zum 25. Todestag von Viktor E. Frankl herausgegeben. Die Sinnimpulse, die ich im Laufe des letzten Jahres auf meiner Homepage veröffentlicht habe sind nicht identisch mit jenen, die in "Kraft aus der Tiefe" zu lesen sind.

Als letzten Impuls habe ich das Zitat gewählt, das mich vor mehr als dreißig Jahren berührt und befreit hat. In der Ausgabe meiner Ärztlichen Seelsorge steht es auf Seite 101.

Als Kind habe ich immer wieder gehört: "Du brauchst nur wollen!" Und ich habe immer wieder gespürt, dass dieses Wollen nicht zu mir passt. Ich sollte nämlich etwas wollen, was den anderen ein Wert war. Nur für mich war es nicht wichtig, ständig bei Familienfesten dabei sein zu müssen. Ich wäre so viel lieber mit meinen Freundinnen unterwegs gewesen.

Es ist selbstverständlich, dass ich Dinge tun muss, aber nicht wirklich will. Meine Buchhaltung zum Bespiel, die muss ich machen, wollen tu ich nicht.

 

Dieses Zitat von Viktor E. Frankl ist auch nicht so zu verstehen, dass man nichts tut, was man nicht will. Für mich steckt im Wollen eine tiefe Berührung eines Wertes, etwas, das mir so am Herzen liegt, dass ich nicht mehr frage, ob ich mich wohlfühle oder nicht.

 

Die Idee der Sinnimpulse finde ich auch nach einem Jahr noch gut. Doch manchmal war es für mich eine lange Suche, welches Zitat nehme ich? Dann hatte ich meine Gedanken bereits geschrieben und dann fiel mir ein anderes Zitat ein und ich habe von vorne angefangen zu schreiben.

 

Mit Ende September gehören die Sinnimpulse in die volle Scheune der Vergangenheit. Doch mir ist etwas Neues eingefallen. Günter Funke, der mir die Logotherapie näher gebracht hat wäre im nächsten Jahr 75 Jahre alt geworden. Von ihm schlummern in meinem Computer mehr als fünfzig Vorträge, die ich vor vielen Jahren transkribiert habe. Dabei handelt es sich um ein gesprochenes Wort und ich werde mich bemühen, zwölf Vorträge in eine lesbare Form zu bringen. Ab Oktober gibt es monatlich einen Vortrag.

 

Der Beginn lautet: Lebensbejahung durch Mut zur Wandlung.