Inspiration zum Neuen Jahr

Ich denk' es wird ein gutes Jahr! 


Dieser Gedanke steht in völligem Gegensatz zu Prognosen, die drohende Szenarien schildern, was auf uns zu kommen könnte. Meine Wahrnehmung liegt auf "könnte". Von dem, "was passieren könnte" lasse ich mir heute, meine Lebensmöglichkeiten nicht vermiesen. Viel zu oft erlebe ich derzeit, dass die innere Seelenlandschaft von Menschen aufgrund von äußeren Meldungen und widerwärtigen Prognosen leidet. Zuversicht und Vertrauen kommen in Prognosen selten vor. In Dankbarkeit erinnere ich mich an meine Großmutter, die mir in einer Lebenslage, die für mich schwer gewesen ist, geschrieben hat: "Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, ich rechne immer mit einem guten Ausgang." Diese zuversichtliche Botschaft begleitet mich seit mehr als zwanzig Jahren.

Noch länger begleiten mich ermutigende Gedanken von Viktor Frankl:

 

Wir müssen lernen und die verzweifelnden Menschen lehren,

dass es eigentlich nie und nimmer darauf ankommt,

was wir vom Leben noch zu erwarten haben,

vielmehr lediglich darauf: was das Leben von uns erwartet!

 

 

Der Philosoph Georg Christoph Lichtenberg erkannte: „Man ist verloren, wenn man zu viel Zeit bekommt, an sich zu denken.“ Ich möchte hinzufügen, man ist noch verlorener, wenn man sich zu viel mit jenen Szenarien beschäftigt, die erst zu einem späteren Zeitpunkt eintreten werden.

 

„Der Mensch wird ganz Mensch durch das, was er zu seiner Sache macht.“ Dieser Gedanke von Viktor Frankl hat mein Leben sehr bereichert, weil ich endlich nicht mehr mich selbst im Blick hatte. Wenn jemand angeleitet wird nur auf sich zu schauen, dann dreht er sich im Kreis und macht sich zum Wichtigsten. Geht es jedoch dem "Wichtigsten" schlecht, dann geht es ihm logischerweise auch schlecht. Wie soll das gehen, auf sich selbst schauen, wenn es einem schlecht geht. Es ist einfach nicht möglich.

 

Gerade deswegen haben wir die Zuversicht nötigt: Ich denk' es wird ein gutes Jahr!!!

Gewöhnlich sagen wir: "Ich bin zuversichtlich!" Ich meine, dass der Satz einfach zu sagen ist, doch es braucht einiges an eigenem Zutun, auch überzeugt zu sein. Wie wäre es mit: Ich zuversichte!

 Ja, ich weiß, dass es in unserer wunderbaren deutschen Sprache Zuversicht nur als Hauptwort oder als Eigenschaftswort gibt. Wir brauchen die Zuversicht als Verb, als "Tun-Wort". Ja, ich bin überzeugt, dass jede und jeder von uns etwas zur Zuversicht beitragen kann, deshalb: Ich zuversichte"

 

 

Was wir aus der Pandemie lernen können?

Gedanken von Clemens Sedmak

 

Erlebte Erstmaligkeit

Natürlich gab es früher schon Pandemien und man kann in Geschichtsbüchern lesen, dennoch hat diese Pandemie für uns Erstmaligkeit. Durch diese erlebte Erstmaligkeit sind wir auf der Suche nach Bezugspunkten.

 

Einer meiner Lieblingsvorträge, die je im 21. Jahrhundert gehalten wurden, stammt von Peter Bieri aus dem Jahr 2005 an der Pädagogischen Hochschule in Bern: "Wie wäre es gebildet zu sein?" Da hat er sich überlegt, ein gebildeter Mensch hat Bezugspunkte, er kann Dinge besser einordnen, weil er über Referenzpunkte verfügt und ein gebildeter Mensch kann zwei große Fragen stellen:

 

Woher weißt du das?

                                  Was heißt das genau?

 

Verwundbarkeit und Zerbrechlichkeit

Der Begriff Verwundbarkeit heißt, wir können uns gegen Bedrohungen nicht restlos schützen. Das, was uns wichtig ist, bleibt von einem Restrisiko bedroht, das ist Verwundbarkeit.

Wir haben ein Titanic-Moment erlebt. Öfter haben wir den Begriff gehört: Wir sitzen alle im selben Boot und wir hatten ein Titanic-Moment in der Pandemie: Es kann tatsächlich auch uns treffen.

Die Beschreibung, wie sitzen alle im gleichen Boot mag seine Richtigkeit haben, weil wir alle auf demselben Planeten sitzen, aber doch auf verschiedenen Decks. Die Titanic hatte drei Decks und die Überlebenschancen auf dem dritten Deck waren wesentlich geringer als die Überlebenschancen auf dem ersten Deck, abgesehen vom Komfort, ist auch die Ausgangslage in eine Krise hineinzugehen eine andere. Das Titanic-Moment heißt: es kann das eintreten, was wir nicht für möglich gehalten haben.

 


"Denn die Menschen bräuchten einen Kompass nach dem sie ihr Leben lenken könnten. Er (Werner Heisenberg) verglich dies mit der Fahrt eines Schiffes. Wenn es aus so viel Eisen gebaut sei, dass die Kompassnadel nur noch auf das Schiff selbst zeige, gehe dieses in die Irre.

Nur durch die Orientierung  auf  einen  außerhalb  des  Schiffs  liegenden Punkt, also den Nordpol,  könne das Schiff den richtigen Weg finden."

Christine und Frido Mann, In: Es werde Licht

 

 

In den "Sternstunden der Religion" sprachen Christine und Frido Mann über "Quantenphysik und Religion". Ich verlange von mir nicht, alles zu verstehen, aber ich erlebe in diesem Gespräch, dass meine Ahnung von einer "zentralen Ordnung" genau dem entspricht, wovon ich seit meiner Kindheit überzeugt bin.

 

"Mit der zentralen Ordnung kann man mitschwingen und man kann mit ihr in Beziehung treten."

 

 


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Der Wunsch nach Sicherheit - ein großer Irrtum
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Auch mit Gedanken zur Dummheit lässt sich eine gute Orientierung finden.

Dietrich Bonhoeffer schrieb im Essay "Von der Dummheit": "Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit." Dabei meint Bonhoeffer keine intellektuelle, sondern eine menschliche Dummheit. Für mich hängt menschliche Dummheit mit Selbstüberschätzung zusammen, mit einer Hybris, die nichts anderes außer der eigenen Meinung anerkennt.

 

Das Buch von Heidi Kastner habe ich in einer Nacht ausgelesen - etliche Seiten strahlen nun in Gelb (von meinem Textmarker).

 

Klick auf das Cover führt direkt zum Onlineservice der Tyrolia Buchhandlung

 

Hier sind zwei Gedanken aus dem Buch von Heidi Kastner:

Im Wesentlichen ist das hohle Gerede von Autonomie ein Wunsch nach uneingeschränkter Selbstermächtigung, die sich im sozialen Miteinander immer als unverträglich (und unerträglich) erwiesen hat und daher weder Respekt noch Toleranz verdient hat. Seite 46
Ungleich problematischer wird es freilich, wenn das Bedürfnis nach „Wohlfühlen“ dazu führt, 
dass unliebsame Sachverhalte kollektiv ausgeblendet oder ignoriert werden. Seite 62