Neuigkeiten und Gedanken


November 2019

"Manchmal  braucht es ein Leben lang, bis man klarkommt und klar wird.

Doch das spielt keine Rolle.

Es ist vielleicht die lohnendste Art und Weise, seine Zeit zu verbringen."

Rachel Naomie Remen

 

Es vergeht nicht nur viel Zeit, sondern man quält sich oft und lange mit den Auswirkungen mancher Begegnungen. Selbst hat man das Gefühl, sein Bestes gegeben zu haben und man ist sprachlos, dass ein - mehr oder weniger - lieber Mitmensch kein Verständnis für uns aufbringt. Im Gegenteil das Gegenüber fordert immer noch mehr und selbst hat man das Gefühl, man hat die Grenze für andere dazusein längst überschritten.

 

Für solche Situationen ist der Gedanke von Rachel Remen ein Segen. Ein noch größerer Segen ist ein Mensch, der uns zuhört und uns versteht. Die Erkenntnis, dass der Ausgleich zwischen Geben und Nehmen nicht im Gleichklang ist, macht nachdenklich. Manche werden wütend und andere traurig. Dabei ist Erkenntnis immer subjektiv. Dort wo jemand auf ein Gegenüber trifft, das ständig Zeit und Aufmerksamkeit fordert, ist es schwierig, bei sich selbst zu bleiben und sich zu schützen.

 

Gerade dann, wenn es einem selbst nicht so gut geht und man für andere einfach nicht mehr dasein kann, sind Menschen gefragt, die uns verstehen und humorvoll sind. Ist gerade niemand in der Nähe, ist auch ein Klick auf die Homepage von "FINDLING" (Musikgruppe aus Tirol) richtig lohnend.

Oktober 2019

"In vielen Fällen verdanken wir unser Wohlergehen nicht unseren genialen Kontrollsystemen,

sondern der Tatsache, dass unser Basisvertrauen ins Leben gerechtfertigt ist

und dass wir durch unser Vertrauen eine vertrauenerweckende Atmosphäre erzeugen.

Natalie Knapp

 

Zwischen 1950 und 2019 erlangte die persönliche Freiheit des Menschen in den Industrieländern eine noch nie dagewesene Selbstbestim­mung und die Sehnsucht nach persönlichem Wohlbefinden ist größer als je zuvor.

Seit dem Jahr 2000 leben sehr viele Menschen in zwei Welten. In jener, in der wir leibhaftig anwesend sind und in der Welt des Internets. Wenn Sie diesen Text lesen, befinden Sie sich in der virtuellen Welt.

 

Es wird immer wichtiger, zu unterscheiden, kann ich einem Text vertrauen oder ist es ein Fake?

Das Gefährliche an Fake News ist, dass Hassbotschaften höhere Klickzahlen erreichen und eine längere Verweildauer im Internet. Fanatismus lebt von der Übertreibung. Meistens sind es einfache Parolen, die für manche Menschen zum alleinigen Wert werden. Bestimmte Sichtweisen werden verehrt und "alle Fanatiker tragen die Humorlosigkeit als Vereinsabzeichen" (Reinhold Stecher, Werte im Wellengang)

In dem Moment, in dem wir über eine Meldung, die schräg ist nicht mehr lachen können, sollten wir genau hinschauen. "Geistlose kann man nicht begeistern, aber fanatisieren kann man sie." Dieser Gedanke der österr. Schriftstellerin Marie von Ebner Eschenbach ist bedenkenswert. Wir sollten uns von keinem Menschen und keinen Parolen fanatisieren lassen. Der Fanatismus vernebelt den Blick und wir sehen erst dann wieder klar, wenn wir über "richtig dumme" Aussagen lachen können.

September 2019

„Dass die Menschheit Triebe hat, hat sie in den letzen Jahren wohl zu Genüge bewiesen.

Heute scheint es doch eher wieder darauf anzukommen,

dass man den Menschen daran erinnert,

dass er Geist hat, dass er ein geistiges Wesen ist."

Viktor E. Frankl, 5. Band der Gesammelten Werke, 108

 

Der Begriff GEIST sorgt immer wieder für Verwirrung und Missverständnisse. In der Logotherapie ist die geistige Dimension - neben der körperlichen und seelischen - die wesentliche. Geist ist mehr als Verstand und Bewusstsein. Diesen Begriff erklären zu wollen führt meistens zu noch mehr Verwirrung. Der Quantenphysiker Hans Peter Dürr schrieb: "Die Grundlage der Welt ist nicht materiell sondern geistig."

Den "Geist" eines Menschen spüren wir mehr durch seine Ausstrahlung als durch jene Dinge, die er in Worte fasst. Die Atmosphäre eines Raumes und jene von Menschen nehmen wir wahr. Wir können unterscheiden zwischen Wohlbefinden und Unbehagen - doch beweisbare Fakten haben wir nicht.

 

Übrigens ist nicht das persönliche Wohlbefinden das Wesentliche im Leben. Viel mehr geht es darum, eine gute Sache zu finden, der man dienen kann, die einen erfüllt. In diesem Erfüllt-Sein erleben wir Sinn und unser Wohlbefinden entsteht durch unsere Bereitschaft, sich für Wertvolles einzusetzen.

Allerdings verträgt sich das Ja zu einem Wert schlecht mit dem Streben nach Harmonie. Wer die Harmonie als höchsten Wert anstrebt, wird darauf verzichten müssen, sich für etwas einzusetzen, das ihm am Herzen liegt. Denn es wird immer Menschen geben, die mit dem, was für uns wesentlich ist nicht einverstanden sind. Dann kann es geschehen, dass unsere Pflege von Werten unserem Wohlbefinden vorzuziehen ist.

 

Am Beginn diesese neuen Arbeitsjahres freue ich mich darauf, Menschen zu inspirieren, zu ermutigen und mit Geistvollem zu inspirieren. Mit großer Freude beginnen mein Team und ich im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten mit einem neuen Lehrgang für logotherapeutische Lebensberatung.

Mit viel Begeisterung beginnen in der Tyrolia Buchhandlung in Innsbruck die Nachmittage zur Werkstatt der Lebensfreude.

Außerdem freue ich mich auf die Arbeit mit meinem Team im Tiroler Institut für Logotherapie.

 

August 2019

„Wut ist für einen Menschen wie Benzin für ein Auto -

sie treibt einen an, damit man weiterkommt,

an einen besseren Ort."

Mahatma Gandhi

 

Dieser Gedanke stammt aus dem Buch "Wut ist ein Geschenk" von Arun Gandhi, dem Enkel von Mahatma Gandhi.

In meiner Jugend habe ich immer wieder gehört, wer wütend sei, sei im Unrecht. Ich habe das nie verstanden und wurde meistens noch wütender. Ich war schon ziemlich erwachsen als ich bei Dorothee Sölle folgendes gelesen habe: "Die Hoffnung hat zwei lieblichte Töchter: Zorn und Mut. Zorn, damit das Nichtige auch nichtig bleibe - Mut, damit das, was sein soll, auch sein wird."

Mir war schon immer klar, dass Hoffnung nicht als Stern vom Himmel fällt, sondern wir selbst etwas beitragen müssen, dass die Hoffnung unter uns Menschen lebendig bleibt. Die Hoffnung wächst auch dort, wo wir den Mut haben, zu unserer Meinung und zu unserem Mitgefühl zu stehen.

Wir können nicht für alle möglichen und unmöglichen Dinge Verständnis haben und nicht alles, was geschieht hat einen tieferen Sinn. In der mangelnden Sorgfalt anderer und in diversen Schlampereien brauchen wir keinen Sinn zu suchen.

Menschen, die uns nicht ernst nehmen oder sich an keine Vereinbarungen halten machen uns wütend. Das geschieht ganz besonders dann, wenn immer von einer Seite Verständnis verlangt wird.

Die Wut wird dann zum Geschenk, wenn sie in uns die Kraft nährt, das zu sagen und zu leben, was uns am Herzen liegt. Dabei geht es nicht um ein Beleidigt-Sein, sondern um das Einstehen zu einem Wert, den wir gerne leben möchten.

 

Juli 2019

„Die Buddhisten sagen,

dass eines der Zeichen wahrer Erleuchtung die Erfahrung

einer grenzenlosen unveränderlichen Freude ist,

welche den persönlichen Freuden und Sorgen

dieses Lebens zugrunde liegt."

Rachel Naomi Remen

 

Obigen Gedanken habe ich vor kurzem im Buch "Aus Liebe zum Leben" gelesen. Die Autorin ist Ärztin und schreibt in diesem Buch Erfahrungen und Erlebnisse in Geschichten. Lebendige und berührende, betroffen machende und fröhliche, alles Geschichten, die uns allen hätten passieren können.

 

Wir sollten einander viel mehr Geschichten erzählen über Erlebnisse, die uns gefreut haben. Mark Twain meinte dazu: "Mit Kummer kann man allein fertig werden, aber um sich aus vollem Herzen freuen zu können, muss man die Freude teilen."

 

Hier sind zwei Erlebnisse über die ich mich in der letzten Woche sehr gefreut habe. Am Mittwoch gab es im Tiroler Landestheater eine Ballettgala vom Feinsten und meine Tochter und eine liebe Freundin haben mich begleitet. Wie viel Mühe steckt hinter der Choreographie und der Umsetzung, bis wir Tänzerinnen und Tänzer erleben können, die für kurze Momente die Erdenschwere unter sich lassen können.

 

Immer wieder gehe ich in den Wald und freue mich über das Vogelgezwitscher und über die Tatsache, dass ich beim Gehen keine Schmerzen spüre. Viele Jahre waren für mich Spaziergänge so gut wie unmöglich und die Freude ist riesengroß.

Ja, und eine ganz besondere Freude erlebte ich vor drei Tagen. Von Salzburg aus machte ich einen Kurzbesuch an den Attersee und bin mit viel Vergnügen in dem herrlichen Wasser geschwommen.

 

Worüber freuen Sie sich? Teilen Sie Ihren Freunden Ihre Freuden mit!!

 

Juni 2019

Es ist besser, feurig von Geist zu sein,

selbst wenn man dann mehr Fehler begeht,

als beschränkt und übervorsichtig.

Vincent van Gogh

 

Wonach fragt uns das Leben, wenn wir zeigen wollen, was wir lieben?

Es fragt uns nicht nach Funktionen, die messbar sind oder nach Geboten, welche wir erfüllen sollen, sondern nach Begeisterung, Lebensfreude und Dankbarkeit.

Ich bin davon überzeugt, dass wir Begeisterung brauchen. Denn was wäre die Alternative? Resignation? Eine Absage an jede Form von Leidenschaft?

Ja, ich bin überzeugt davon, dass wir Begeisterung brauchen. Begeisterung ist eine Kraftquelle, die unser Interesse am Leben lebendig hält. Meine Großmutter schrieb im Alter von 96 Jahren in ihr Tagebuch. „Verstand, Interesse und Denken mögen mir bleiben – so hoffe ich zu Gott.“ Nach diesem Eintrag lebte sie noch acht Jahre und ihr Interesse an Menschen, an der Natur und an der Welt hielt sie bis kurz vor ihrem Tod aufrecht. Sie konnte sich für Literatur begeistern und für Sport. Mit großer Begeisterung lernte sie ihren Urenkelkindern diverse Kartenspiele und sie interessierte sich eingehend für das, was sie in der Schule lernten.

 

Begeisterung ist die Kraft, die das Leben liebt und daher können wir auch Stolpersteine bewältigen. Viktor E. Frankl hat uns viel Bereicherndes mitgegeben. Sein „..trotzdem Ja zum Leben sagen“ erinnert uns daran, dass wir stärker sein können als das, was uns kleinzumachen droht.

Dennoch und trotzdem Ja zu meinem Leben sagen, ist das Thema der letzten Werkstatt der Lebensfreude vor der Sommerpause in der Buchhandlung Tyrolia. Im Herbst werden die Nachmittag fortgeführt und ich freue mich sehr.

Auf meiner Terminseite und auf Homepage des Tiroler Instituts für Logotherapie finden Sie alle Termine und Themen.


Mai 2019

"Und diese Freude, die hohe Freude des Herzens,

wie ich sie gern etwas hochtrabend nenne,

ist zum Glück nicht nur in den Liebesgeschichten zu finden.

Sie kann ein Leben begleiten."

Erika Pluhar, Aus: Die öffentliche Frau

 

Die Lebensfreude habe ich mit der Begeisterung und der Dankbarkeit zu jener fröhlichen Trias ernannt, die ich der tragischen Trias (Schuld, Leid, Tod) von Viktor E. Frankl an die Seite stellen möchte.

Vieles in meiner Arbeit geschieht aus Freude am Tun. Als Erika Pluhar im Februar ihren achtzigsten Geburtstag gefeiert hat, wollte ich ihr etwas Besonderes schenken. Mir fiel lange nichts ein, bis ich am Morgen aus einem Traum erwachte: Verbinde doch Geschriebenes von der Erika mit Erkenntnissen von Viktor Frankl.

Zum Geburtstag im Februar schaffte ich es nicht mehr, die Idee aus dem Traum zu verwirklichen - doch jetzt ist es gelungen und ich freue mich darüber sehr. Es war ein intensives Eintauchen in die Bücher von Erika Pluhar und ich begann viele Texte aus ihren Büchern herauszuschreiben. Wie ich die Verbindung zu Viktor Frankl schaffen werde, darüber machte ich mir keine Gedanken. Mich erfüllte eine Art Gewissheit, dass mir zur rechten Zeit, das passende Zitat einfallen wird. Ja, und genauso fanden Gedanken von Erika Pluhar und jene von Viktor Frankl zueinander. Manchmal tauchte bereits beim Lesen auf, welcher Text von Viktor Frankl zu jenen von Erika passte und ein anderes Mal hatte ich die Seite des Buches vor mir, in der ich beim Nachschauen genau den stimmigen Satz entdeckt habe.

Es war eine unglaublich beglückende Arbeit und hier ist eine kleine Kostprobe, die im gesamten fast 20 Seiten umfasst.

 

Dass es stets um Konzentration geht, um eine Wendung ins Innere – und nicht um Hergezeigtes, Dargebotenens, wie es zunächst den Anschein hat. Diese Erkenntnis traf sie tief. Sowohl bei den körperlichen wie bei den geistigen, imaginativen Übungen erfuhr sie, dass sich nur aus der Entspannung  - also aus Absichtslosigkeit, Lockerheit – Kraft und Spannung erheben können. Das entsprach ihren bisherigen, meist nur instinktiven Erfahrungen so genau, dass ihr diese nun bewusst wurden. Am Ende des Gartens, Erika Pluhar, 136

 

Es gibt eben Dinge, die Effekt bleiben müssen. Wer jedoch nach dem Effekt hascht, dem entzieht er sich. Effekt heißt Erfolg; und auch wer nach dem beruflichen Erfolg hascht, wenn es nicht um die Leistung zu tun ist, sondern um die Geltung - wer sich zur Geltung bringen will, der bringt sich um den Erfolg, denn "man merkt die Absicht und man ist verstimmt": man hat den "Streber nach Geltung" durchschaut.

Viktor Frankl, Gesammelte Werke Band 5, 296

 

Mich dem zu widmen, was mir meine Träume zuflüstern führt mich immer wieder zu beglückenden Erlebnissen. Im Unbewussten der nächtlichen Träume tauchen Ideen auf,  die meinem Verstand nie einfallen würden. Doch in der Umsetzung darf mein Verstand bewusst mithelfen, dass Dinge entstehen von denen ich zuvor "nur geträumt" habe.

In der Reihe "Wissen fürs Leben", die Franz Köb in der Arbeiterkammer Feldkirch ganz wunderbar gestaltet, war Erika Pluhar zu Gast. Sie können das gesamte Gespräch nachhören - die beiden inspirieren und ermutigen!


April 2019

"Theorien sind wichtig, aber sie müssen dem Zweck dienen,

nicht ihn bestimmen und im Grunde bin ich der Meinung,

dass es keinen Ersatz für Erfahrung,

Ehrlichkeit - und  ganz wichtig - Humor gibt.

Royston Maldoom, Tanz um dein Leben

 

Vor kurzem war ich in einer Schule in Olang /Südtirol und ich sollte den Schülerinnen und Schülern zum Thema "Sinn" etwas "beibringen". "Sinnbänke" sollen im Ort aufgestellt werden und auch die Jugend ist zum Mitmachen eingeladen. Seitdem ich mich mit der Logotherapie beschäftige weiß ich, dass "Sinn beibringen" nicht möglich ist, da Sinn nur dann erlebt werden kann, wenn mich etwas gestalten kann, was mich begeistert und inspiriert. Sinn entsteht nicht durch Rezepteoder Vorgaben und auch nicht durch theoretische Konstrukte.

 

Beim Betreten des Klassenzimmers tauchten in mir Erinnerungen auf, die nicht zu den besten in meinem Leben gehören: Die Angst vor dem Versagen und das Beschämtwerden. Dann fiel mir ein, dass ich heute vorne stehen darf und nicht - wie in meiner Schulzeit - zu einer Prüfung antreten muss. Trotzdem spürte ich ein Unbehagen. Schaffe ich es, diesen jungen Menschen zu vermitteln, dass ich sie ernstnehme? Womit kann ich Jugendliche begeistern?

Die eigene Vorbereitung kann noch so gut sein, vor Ort braucht es dann jenen Einfall, den man nicht planen kann. "Was möchtet Ihr den Erwachsenen im Dorf mitteilen?" "Was solle auf den Sinnbänken stehen?" Dies kam mir spontan in den Sinn. Ich hatte völlig vergessen, was ich "tun soll" und erlebte den Augenblick frei und unbeschwert.

Ich hatte nicht nur das Glück fast zwei Stunden mit ganz wunderbaren Jugendlichen zu arbeiten, sondern vor allem beschenkten sie mich mit ihren Ideen, ihrer Ehrlichkeit, Offenheit und Ernsthaftigkeit.

20 Mädchen und Buben im Alter zwischen 12 und 14 sammelten in Kleingruppen ihre Ideen, Sehnsüchte und Wünsche, die sie an Erwachsene haben. Alle können selbst fühlen und denken, doch für die Umsetzung ihrer Idee brauchen sie die Hilfe von größeren Menschen. Menschen, die ihre eigenen Ideen zurückstellen können, weil ihnen die Jugend am Herzen liegt. Jugendliche können viel selbst - aber sie können es nicht allein.

 

Konkret haben sich die Jugendlichen auf vier Themen geeignet. Für jedes Thema soll nun eine "Sinnbank" gestaltet werden, die zum Hinsetzten und Hinspüren einlädt und zum Nachdenken anregt.

1. Die Gesprächsbank, welche die Motivation stärkt

2. Die Bank der Freiheit, sich selbst zu entwickeln und Selbstbestimmung mit Fremdbestimmung zu verbinden.

3. Die Spaßbank

4. Die Bank des Vertrauens und des Respekts

März 2019

"Ich glaube an das Wunderbare des Lebens, ja.

Ich glaube daran, dass jedes Gefühl, das mit Liebe zu tun hat, ein Wunder ist.

Das hat mit Bescheidenheit nichts zu tun, im Gegenteil.

Ich glaube, dass ich einfach bereit bin, das Leben auch als Geschenk zu sehen."

Erika Pluhar, Aus: Verzeihen sie ist das hier die Endstation?

 

Das Leben als Geschenk zu sehen mag vielleicht eine Sichtweise sein, die in einem Menschen wohnt. Ganz gewiss fordert diese Sichtweise auch jene Begeisterungsfähgikeit und Ernsthaftigkeit, die Menschen liebenswert erscheinen lässt - ganz so wie Erika Pluhar.

Wenn der Name Erika Pluhar fällt empfinde ich immer wieder, so etwas wie „heilige Scheu“. Mit dem Begriff „heilige Scheu“ meine ich so etwas wie: behutsamen Respekt und achtsame Bewunderung und dies gilt einem Menschen, der Schwieriges und Schweres bewältigt und das Lächeln des Trotzdem nicht verloren hat.

Dieses Trotzdem taucht nicht nur in ihren Liedern auf, sondern in einer erstaunlichen Vielfalt in ihren Büchern. Erika Pluhar ist Schriftstellerin! Zum Glück ist der Bekanntheitsgrad eines Menschen niemals bestimmend für den Geist, der ihn bewegt.

Anlässlich des Kongresses "Begeisterung" im Juni 2012 in Schloss Puchberg gab Erika Pluhar mit Klaus Trabitsch ein Konzert und sie begann das Konzert mit den Worten: "Begeisterung birgt nicht umsonst das Wort GEIST in sich.
Begeisterung ist beflügelter Geist und geistvolle Freude
Hat nichts mit Euphorie oder Ekstase zu tun –
Ist nüchtern, hell, auf kluge Weise bewegend
Begeisterung ist kein Zustand, in den man geraten aus dem man stürzen kann
Der Mensch begeistert sich FÜR etwas
Nicht sein ICH zählt dabei, sondern das Andere dem die Begeisterung gilt  
Und stets ist dieses Andere Teil des Lebens. Wer nie begeistert lebt, lebt nicht."

Ich mag diesen Text sehr und lese ihn immer wieder - vielleicht gefällt er einigen und regt an.

 

Februar 2019

"Wenn wir uns Zeit erkämpfen, in der wir uns wirklich ausruhen und regenerieren können,

stellen wir auch unsere Fähigkeit, aufmerksam zu sein, wieder her."

Desmond Tutu, Der Mensch ist das, um gut zu sein

 

Der Winter schenkt Bäumen und vielen Pflanzen Zeit zur Ruhe - Menschen in unseren Breitengraden brauchen im Winter Mantel, Schal und Mütze, um sich vor der Kälte zu schützen. Doch es gibt niemanden, der uns "Zeit und Ruhe schenkt", diese müssen wir uns selbst nehmen.

Die meisten von uns leben ständig in zwei Welten: In der unmittelbaren, die uns umgibt und in der virtuellen, die vom Handy bestimmt wird. Es ist eine ziemliche Herausforderung, sich zurückzuziehen solange man  leistungsfähig ist, denn ständig taucht der Gedanke auf, was alles noch zu tun wäre.

Dennoch sollten wir die gute Passivität pflegen. Zur guten Passivität gehört das "heilige Nichttun", wie es der Geigenbauer Martin Schleske beschreibt: "Besteht alles nur aus Sollen, droht das Leben in den Stürmen der Ansprüche zu kentern. Es ist der Schiffbruch der Selbstentwürdigung, die lautet: 'Ich bin nichts, denn ich schaffe nicht, was ich soll.' Besteht das Leben nur aus Sein, droht die ewige Flaute der Selbstbeschwichtigung: sie lautet: 'Ich muss nichts, denn es reicht, was ich bin!'"

Es lohnt sich, darüber nachzudenken: Wann kann ich wirklich ausruhen und regenerieren?

Welcher Ort eignet sich dafür? Ein Platz in meiner Wohnung? Ein Spaziergang ohne Anspruch auf Fitness? Tagebuch schreiben? Ein gutes Gespräch mit einem lieben Menschen? Musik hören ohne Tätigkeit nebenbei?

Diese Gedanken sind nicht nur für Menschen sinnvoll, die im Berufsleben stehen, sondern auch für Menschen, die ihren Ruhestand genießen möchten - ohne Anspruch auf Leistung.

Viel Freude beim Entdecken dessen, was richtig gut tut.

Jänner 2019

"Wann immer die Frage nach dem Sinn von Menschen gestellt wird,

lässt sich eine Antwort daher nur erhoffen oder gar erwarten

von einem Rückgriff auf das präreflexive Selbstverständnis,

das dem Menschen als solchem innewohnt.

Es muss ihm nur bewusst werden, was er irgendwie ohnehin schon immer weiß."

Viktor E. Frankl, Band 5 Gesammelte Werke

 

Viktor Frankl berührt mich immer wieder aufs Neue. 2018 erschien der fünfte Band der gesammelten Werke und darin sind Texte, die bisher nicht veröffentlicht wurden. Obiger Gedanke stammt aus dem Jahre 1973 und für mich bringt Viktor Frankl genau das auf den Punkt, was mich an ihm und seiner Lehre so begeistert. Er vertraut dem Menschen mehr, als ihn zu verdächtigen, er glaubt an ein Geheimnis, welches im Menschen wohnt und worauf er sich verlassen kann.

Momentan schreibe ich an einem neuen Buch: "Mich in meinem Leben finden". Ein Wegweiser mit Impulsen von Viktor E. Frankl und Ignatius von Loyola und ich habe mich u. a. eine Art fiktives Gespräch zwischen den beiden gewagt. Hier ist ein Ausschnitt:

 

Ignatius von Loyola

Ich muss sagen, ich bin überrascht, dass fünfhundert Jahre nach meinem Tod noch jemand an mich und meine Schriften denkt. Es gab in dieser langen Zeit eine große Füllle von Philosophen und Theologen und einige haben außerordentlich viel zur seelischen Heilung der Menschen beitragen.

 

 

Viktor Frankl

Verzeihen Sie, dass ich Sie unterbreche, doch mir geht es ähnlich. Obwohl ich vor etwas mehr als zwanzig Jahren verstorben bin, interessieren sich die Menschen noch immer für meine Sinnlehre. Bereits zu meiner Zeit faszinierte mich Ihr Gedanke, dass nicht das viele Wissen die Seele befriedigt und sättigt, sondern das innere Schauen und Verkosten der Dinge.

 

Ignatius von Loyola

Da gibt es wohl so etwas wie einen Gleichklang unserer Seelen. Mir fiel diese Ähnlichkeit auf, als ich in der Bibliothek des Universums Ihr Buch „Der unbewusste Gott“ gefunden habe. Von Ihnen stammt ja diese wunderbare Formulierung, dass das Gewissen ein Sinnorgan ist und dass es nicht nur darum geht Wissen zu vermitteln, sondern das Gewissen zu verfeinern. Das ist eine schwierige Aufgabe und war schon im Mittelalter alles andere als einfach. Vor allem jene Menschen, die an der Macht waren, haben ihr Gewissen nicht verfeinert, sondern viel Unheil angerichtet.

 

Auch wenn wir als einzelne wenig öffentliche Macht haben, die Möglichkeit unser Gewissen zu verfeinern verfügen alle, die sich dafür interessieren. Interesse bedeutet ja nicht, dass man sofort das findet, das einem selbst gut. Ich freue mich, dass ich mich ab Februar einmal monatlich mit interessierten Menschen in der Tyrolia Buchhandlung in der Maria Theresienstraße in Innsbruck treffen kann. Willkommen sind alle, die mehr von den Inhalten der Logotherapie erfahren wollen und Freude an einem guten Gespräch haben.

 

Wir haben diese Nachmittag als "Werkstatt der Lebensfreude" bezeichnet und am Mittwoch, 6. Februar um 15.00 findet diese zum ersten Mal statt. Sollten Sie Interesse haben, auf der Homepage des Tiroler Instituts für Logotherapie finden Sie mehr Information.