Das Tilo feiert Geburtstag            2002 - 2022

Im August 2002 gründete ich mit Günter Funke aus Berlin das Tiroler Institut für Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor E. Frankl.

 ©APA Picturedesk

Die Basis unserer gemeinsamen Arbeit war: Die Freude an der Weitergabe der Logotherapie und Existenzanalyse von Viktor E. Frankl.

 

Günter und ich gründeten

am 9. August 2002 das TILO.

 

Wir begannen mit einem Traumseminar in der Toskana und Seminaren im Elisabethinum in Axams.

 

2003 veranstalteten wir eine Tagung in Weimar und 2005 gelang uns der erste große Kongress in Salzburg zum 100. Geburtstag von Viktor E. Frankl.

 

Im selben Jahre erhielten wir die Berechtigung zur staatlich anerkannten Ausbildung für psychosozialen Beratung im Bereich Logotherapie und Existenzanalyse.

 © Inge Patsch

Günter Funke

hat Logotherapie und Existenzanalyse bei Viktor Frankl selbst gelernt.

 

Er hatte, wie sonst kaum jemand, die Fähigkeit die geistige Dimension der Logotherapie zu vermitteln. Daher ist es verständlich, dass er Methoden, die einem Rezept ähnlich sind, ablehnte.

Ich habe sehr viel von und durch Günter gelernt. Sein Weg Wesentliches mit anderen zu teilen war das gesprochene Wort.

Leider gibt es nichts Schriftliches von ihm. Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts waren seine Vorträge auf Audiokas-setten sehr gefragt. Da ich durch Lesen leichter lerne als durch Hören, habe ich fast 60 Vorträge von Günter transkribiert. 

Aus diesem reichen Schatz werde ich - im Lauf des nächsten Jahres - einige Texte von Günter zur Verfügung stellen.

Am 2. Oktober 2023 wäre Günter 75 Jahre alt geworden.


Ich blicke nicht nur auf zwanzig arbeitsreiche und sehr erfüllte Jahre zurück, sondern mich umfängt dankbares Staunen, wie mir Günter die Logotherapie näher gebracht hat. Ohne seinen Schwerpunkt auf Freiheit in Verbindung mit Verantwortung wäre ich nicht da, wo ich heute bin: Befreiung ist schöner als Freiheit. Diesen Gedanken habe ich in einer Dokumentation über Joachim Gauck gehört. Für mich lohnt es sich über diesen Gedanken nachzudenken.

 

Günter und ich begannen im August 2002 mit einem Traumseminar in der Toskana und bald darauf organisierte ich die ersten Seminare in Innsbruck und Axams.

2003 veranstalteten wir, gemeinsam mit einem Team aus Berlin, einen Kongress in Weimar.

In den Jahren 2003 bis 2005 fanden vier Lehrgänge zur "Personalen Gesprächsführung", welche wir im Elisabethinum in Axams angeboten haben, großen Zuspruch.

2005 fand der erste Kongress in Salzburg zum 100. Geburtstag von Viktor Frankl statt. "Dem Sinn Leben schenken" war das Thema und es kamen fast 400 Leute aus Österreich, Deutschland, Italien und der Schweiz. Kurz danach erhielten wir die Berechtigung zur staatlich anerkannten Ausbildung für logotherapeutische Lebensberatung. Seither haben wir 17 Lehrgänge in Innsbruck, Wien, St. Pölten und Brixen (Südtirol) erfolgreich beendet und zwei Lehrgänge laufen derzeit in Innsbruck.

Nun freue ich mich auf die Tagung zum 25. Todestag von Viktor E. Frankl am 2. September 2022 in Innsbruck im Haus der Musik.

Die geistige Dimension in der Logotherapie

und

Spiritualität in einer postsäkularen Gesellschaft

Gedanken von Günter Funke

aus einem Vortrag im Juni 2003 in Innsbruck

überarbeitet von Inge Patsch

 

Spiritualität ist eine absolute Lebensnotwendigkeit, wenn das Leben in der Welt gelingen soll müssen wir uns bewusst werden wie wesentlich die geistige Dimension ist.

 

"Im Zusammenhang mit der Logotherapie meint Logos Geist und, darüber hinaus, Sinn. Unter Geist ist zu verstehen die Dimension der spezifisch humanen Phänomene, und im Gegensatz zum Reduktionismus versagt sich die Logotherapie eben, sie auf irgendwelche sub-humanen Phänomene zu reduzieren." Viktor E. Frankl, Ärztliche Seelsorge

 

Die große Spannung in der der Mensch steht, ist die Tatsache, dass er mit seiner Lebendigkeit in einer Welt der Normen und Rezepte leben soll. Wir werden mit Fakten konfrontiert, die dem eigenen Inneren nicht entsprechen. So fühlen sich immer mehr Menschen nicht verstanden und von der Gesellschaft ausgeschlossen. Menschen leben nicht nur mit materiellen Sorgen, sondern wesentlich mit der Frage: Werde ich als lebendiges Wesen verstanden? Oder werde ich als Mensch reduziert auf Fakten und messbare Beweise? Wie kann ich in meinen Leben Sinn finden?

 

Spiritualität ist keine Sphäre, die Schmerz und Leid ausklammert und sie ist auch kein Glücksgefühl. Spirituelle Menschen empfinden Freude und Trauer intensiv und sind sensibel, verletzbar und verwundbar. Dennoch und trotzdem verfügen sie über eine große Stärke und sie leiden an den - manchmal lebensfeindlichen - Rahmenbedingungen der Welt doppelt schwer, da sie ahnen, dass Leben anders möglich wäre.

Spiritualität ist keine Weltflucht. Durch die Spiritualität kommt man zum Bewusstsein, wie sehr der Mensch in der industrialisierten Gesellschaft durch das Funktionieren entfremdet wird. Maschine sind genormt und funktionieren nach einem vorgeschrieben Plan. Menschen sind lebendige Wesen und wir sollten aufhören vom Funktionieren zu sprechen, wenn wir vom Menschen reden. Selbstentfremdung durch das Genormte und das Faktische hat ein bedrohliches Maß erreicht. Aufgrund von Sparmaßnahmen werden Humanwissenschaften (Theologie und Philosophie) an der Uni stark dezimiert. Geld gibt es für die naturwissenschaftlichen und technischen Fächer. Zusätzlich sind Lehrende aufgefordert selbst ausreichend Mittel zu erwirtschaften, um lehren zu können.

 

Spiritualität ist einmalig und einzigartig und hat nichts mit konfessioneller Tradition zu tun. Spiritualität ist intensives Staunen, doch lehren und über sie verfügen kann man nicht. Spiritualität kann sich niemand erarbeiten und sie ist nicht nur für Leute, die sich Spiritualität leisten können. Spiritualität darf kein Leistungsdenken beinhalten und sich schon gar nicht mit einem geheimnisvollen Wissen als Esoterik tarnen.

 

Spiritualität soll schlicht sein, unspektakulär, unaufdringlich und absichtslos. Zum Beispiel dankbar sein, damit ich lange und gesund lebe ist das Schielen nach dem Effekt. Das hat mehr mit Selbsterlösung zu tun, als mit echtem und tiefem Empfinden von Ehrfurcht und Demut.

"Es gibt eben Dinge, 

die Effekt bleiben müssen.

Wer jedoch nach dem Effekt hascht, 

dem entzieht er sich."

V. E. Frankl, der unbewusste Gott

Alles, was mit echter Spiritualität zu tun hat, kennt kein Warum und hat keinen Zweck und keine Nützlichkeit.