Neuigkeiten und Gedanken


Mai 2018

Vom Erkennen über das Wollen zum Tun.

Das ist der magische Dreiklang für jede persönliche Entwicklung.

Nina Ruge, Sei DU der Leuchtturm deines Lebens

 

Der magische Dreiklang - diese Formulierung hat mich inspiriert und zum Nachdenken angeregt. Nina Ruge beschreibt in ihrem Buch nicht nur alltägliche Aktivitäten, sondern sie stellt Fragen über die es sich lohnt nachzudenken. Sie lädt ein, sich bewusst zuwerden WOFÜR wir manche Dinge tun oder unterlassen.

Letzte Woche hatte ich eine Lesung in Wien und einen Vortrag im Logotherapieinstitut in Chur. Für beide Termine habe ich mir einen Plan zurechtgelegt, um am Ende der Woche festzustellen, dass nichts eingetroffen ist, wie ich es geplant hatte - trotzdem ist alles gelungen. Eine plötzliche Aufgabe in der Familie durchkreuzte meine Vorbereitung für ein Handout, mein Auto hatte einen Fehler in der Elektronik und ich bekam es nicht zum vereinbarten Zeitpunkt. Woher meine vertrauensvolle Gelassenheit kam, kann ich nicht erklären. Doch die Erfahrung, die eigene Planung als gescheitert zu betrachten und dann dem Leben die Regie zu überlassen war ein ganz besonderes Geschenk.

In der Logotherapie reden wir immer davon, dass das Leben fragt und wir antworten. "Nichts geschieht wie geplant und alles gelingt." Ich habe von diesem Phänomen oft gelesen und hab es auch schon selbst erlebt. Doch noch nie in der Folge von sechs Tagen. Ich staune noch immer und freue mich über sehr viele neue Begegnungen mit Menschen. Das wünsche ich Ihnen auch.

April 2018

Humanität besteht für mich darin,

nicht im Stich zu lassen.

Sich nicht und andere nicht.

Und nicht im Stich gelassen zu werden.

Das ist die Mindest-Utopie,

ohne die es sich nicht lohnt Mensch zu sein.

Hilde Domin

 

Was könnte das bedeuten, sich selbst nicht im Stich zu lassen?

Diese Frage erwartet keine Antwort, die ein Leben lang gilt. Es tut einfach gut, sich diese Frage immer wieder einmal zu stellen und auf sich selbst neugierig zu sein: Was antworte ich heute darauf? Manchmal toleriere ich mich, dann wieder akzeptiere ich mein Tun und in seltenen Momenten habe ich Respekt vor mir. Der Respekt vor anderen und das Staunen über deren Leben fällt mir viel leichter - als der Respekt vor meinen Entscheidungen und Handlungen und Unterlassungen.

Schon lange denke ich über die unterschiedlichen Haltungen von Toleranz, Akzeptanz und Respekt nach. Welche Verhaltensweisen von mir selbst dulde ich an mir? Ich weiß. dass tolerieren nur über einen kurzen Zeitraum möglich ist. Wenn das Leben überwiegend aus Duldung besteht verschwindet die Lebensfreude schneller als man meint. Das Akzeptieren fordert mich auch heraus. Vor allem verlangt es von mir, die oberflächlichen Beschwichtigungen zu verlassen und tiefer in einen Prozess einzutauchen. Da ist das Akzeptieren anderer Standpunkte, die Anerkennung von Leistung und das Einverständnis mit Situationen, die ich nicht ändern kann.

 

Ich weiß, dass bei vielen Menschen das Wort Respekt Unbehagen auslöst. Dann ist es wesentlich "sich nicht im Stich zu lassen" und ein anderes Wort zu suchen: Anerkennung, eine hohe Meinung. Wertschätzung, Ehrfurcht, Ehre . . . .

Ich mag nicht nur das Wort Respekt, sondern die Idee, die diese Buchstaben in mir auslösen: Ich trete einen Schritt zurück. Ich staune. Ich nehme wahr wie auf meinem Gesicht ein leises Lächeln entsteht. Ich spüre, wie mich das Berührtsein eines Menschen im guten Sinn bescheiden macht, wie die Knospen an den Pflanzen meine Freude über die wärmere Jahreszeit nähren und wie die Zeit, in Ruhe nachdenken zu können, mir gut tut. UND ganz Ähnliches wünsch ich allen, die diese Zeilen lesen.

März 2018

Eine Aktivität aber, die die Kunst der Passivität nicht kennt,

wird bedenkenlos, ziellos und erbarmungslos.

Die passiven Stärken des Menschen gehen verloren:

die Geduld, die Langsamkeit, die Stillefähigkeit, die Hörfähigkeit,

das Wartenkönnen, das Lassen, die Gelassenheit;

um zwei alte Worte zu nennen: die Ehrfurcht und die Demut.

Fulbert Steffensky

 

Immer wieder brauche ich viel Zeit, um nachdenken zu können. Mir fallen dann Gedanken zu oder ein und diesen Gedanken möchte ich eine Landebahn bauen, damit sie nicht der Diktatur der Schnelligkeit zum Opfer fallen. Die Gedanken können lustig sein und richtig schräg - und wenn ich mir Zeit nehme, dann beginnen diese Gedanken zu wachsen. Vor kurzem fiel mir der Begriff "Stimmung der Gereiztheit" zu und folgende Zeilen sind daraus entstanden:

 

Da spricht jemand die Stimmung der Gereiztheit an und ich fühle mich verstanden, ertappt und betroffen. Also ist das, was ich empfinde auch anderen bekannt!

Gereizt, was ist das eigentlich? Wer gereizt ist, ist nicht reizend.

Taucht im Körper eine Reizung auf, dann wird der betroffene Bereich ruhig gestellt und gepflegt. Die Reizung wird nicht gepflegt, sondern der Körper.

Die Stimmung der Gereiztheit ist nicht mittels Barometer messbar, doch die meisten spüren die angespannte Atmosphäre. Jede Form von Gereiztheit stört die gute Stimmung. Gereizt ist anders als verärgert. Gereizt ist so ähnlich, als ob man darauf wartet, dass die Mücke sticht, deren Surren man schon lange gehört hat. Der Ärger kommt manchmal aus dem Nichts. So wie eine Mücke, die plötzlich sticht. Dann betupft man den Stich und nach mehr oder weniger Zeit ist der Ärger verflogen.

In der Stimmung der Gereiztheit erwartet man fast den nächsten Stich.

Wie entsteht eigentlich Gereiztheit? Einfach gesagt durch das Zuviel. Vielleicht auch durch Zuwenig. Zu viele Möglichkeiten, die man gerade noch bewältigt und zu viele Möglichkeiten, die man tun möchte und nicht kann.

Es ist wie Radfahren mit einer starren Nabe, in der es keinen Freilauf gibt. Ich muss treten, weil das Rad nichts anderes zulässt. Es gibt nur eine Möglichkeit: Absteigen. Das steh ich dann neben dem Rad.

Die Stimmung der Gereiztheit verschwindet leider nicht beim Absteigen. Sie ist immun gegen Argumente und Fakten. Sie will ernst genommen werden, die Stimmung. Die Gereiztheit lässt sich nicht bekämpfen. Sie weicht nur einer anderen Stimmung: Der Zufriedenheit, der Gelassenheit, der Hoffnung. Wahrscheinlich lässt sie sich auch von der Gleichgültigkeit vertreiben. Und was ist dann? Dann ist man nicht einmal gereizt.

 

Wir brauchen Inspiration, Zeit und Muse, um der Zufriedenheit, der Gelassenheit und der Hoffnung einen Raum geben können. Dann könnten wir die Gereiztheit als Signal verstehen die Kunst der Passivität zu lernen.

 

Februar 2018

Die Selbstachtung kann man nicht nur verlieren,

indem man etwas tut, was eine innere Grenze überschreitet.

Man kann sie auch verlieren,

weil man nicht bereit ist,

die Verantwortung für sein Leben zu übernehmen.

Peter Bieri

 

Was Peter Bieri als ersten Gedanken beschreibt, habe ich einige Male erlebt. Ich dachte, es geht meinem Gegenüber besser, wenn ich darauf verzichte, meine Meinung zu sagen oder mir Zeit für ein Gespräch nehme obwohl ich etwas anderes tun wollte. Lange habe ich gebraucht, um zu mich fragen, ob ich dann auch die Verantwortung für mein Leben nicht übernehme? So einfach ist es nicht. Wenn mir klar ist, worauf ich verzichte und da gibt es einen guten Grund oder einen Wert, dann übernehme ich sehr klar Verantwortung. Schwierig wird es dort, wo der Wert der Rücksichtnahme zur Selbstverständlichkeit geworden ist.

Rücksichtnehmen ist eine gute Sache - allerdings gilt dies für Du und ich. Interesse zu zeigen, wie es Menschen, die mit oder neben mir wohnen geht, könnten wir als Tugend bezeichnen. Eine Tugend ist eine Gewohnheit, die auf das Gute ausgerichtet ist. Eine Tugend betrifft nicht nur eine einzelne Handlung, sondern die innere Haltung eines Menschen.

Ein Mensch, der bereits in seiner Kindheit gelernt hat, Rücksicht zu nehmen hat auch erkannt, dass er nicht allein auf der Welt ist. Verständnis für andere zu haben ist für ihn fast zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Irgendwann kommt auch der verständnisvollste Mensch an die Grenze der Überforderung und dann darf auch dieser lernen, dass der Gedanke von Peter Bieri nachdenkenswert ist.

Verständnis für andere, Rücksicht nehmen und offen sein für andere ist eine wunderbare Lebenseinstellung. Doch wird es zum Prinzip, also zu einem Grundsatz, der unter allen Umständen gilt, dann verändert sich das Gute zum Unguten.

Ein Gespräch mit einem liebevollen Menschen ist immer wieder hilfreich, um uns selbst auf gewohnte Denkmuster aufmerksam zu machen. Auf einmal entdeckt man: "Eigentlich bin ich ganz anders, ich komm nur so selten dazu."

 

Jänner 2018

Zweifle nie daran,

dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen

die Welt verändern kann –

tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise,

in der die Welt jemals verändert wurde.

 Margret Mead

 

Immer wieder erlebe ich, dass Menschen die Bedingungen, in denen sie leben eigentlich gut finden. Trotzdem tauchen ziemlich rasch Klagen über dieses und jenes auf, zum Beispiel über die Veränderung des Nichtraucher-gesetzes. Mir gefällt dies Änderung auch nicht und ich freue mich darüber, dass die Ärztekammer ein Volksbegehren einleitet. 

Zu dieser Situation und ganz bestimmt zu vielen anderen Lebenslagen, passt der Gedanke von Friedrich Hölderlin: "Wo die Gefahr ist, dort wächst das Rettende auch!"

Vertrauen und Hoffnung zu beleben, wärmt die eigene Seelenlandschaft und dieses Wärmen gelingt mit Gedichten oder Geschichten oder mit Gedanken von Menschen, die etwas zu sagen haben.

"Mein guter Freund, das wird sich alles geben,

Sobald du dir vertraust, sobald weißt du zu leben."

Dieser Vers steht in Goethes Faust und regt zum Nachdenken kann. Sich selbst vertrauen ist eine große Herausforderung und wir brauchen Menschen, die uns in unserem Vertrauen stärken.

Viele Begegnungen, in denen Vertrauen entstehen kann, wünsch ich allen, die diese Gedanken lesen.