Was mich inspiriert

Das Leben ist eine Sammlung von kleinen Geschichten,

um dann eine große daraus zu machen.

Jürgen Klopp

 

Als ich den Podcast "Hotel Matze" mit Jürgen Klopp gehört habe, dachte ich manchmal, der spricht so vom Leben, wie ich es verstehe und versuche zu leben.

Das Leben ist zu kurz, um nicht alles zu versuchen, was mir möglich ist. Ich werde mir dieses Gespräch sicher noch einige Male anhören.

Wer so aufgewachsen ist wie ich,

hat das Gefühl, der Wohlstand ist nicht normal.

Armin Maiwald

 

Als ich diesen Gedanken von Armin Maiwald gehört habe, tauchte unmittelbar der Gedanke in mir auf: "Endlich sagt jemand das, was ich schon so oft empfunden habe."

Herr Maiwald ist zwölf Jahre älter als ich und hat das Grauen des Krieges unmittelbar erlebt. Ich selbst habe nur die Enge einer Dreizimmerwohnung, die von fünf Erwachsenen und mir bewohnt wurde, erlebt. In der Zeit, in der ich in Innsbruck die Volksschule besuchte, habe ich im Wohnzimmer mit meinen Großeltern geschlafen. Kurz vor meinem 13. Geburtstag zog meine Mutter ein und bis zu meiner Heirat teilte ich mit ihr ein gemeinsames Schlafzimmer. Gelitten habe ich darunter nicht, für mich war es normal.

 

Mir tut Armin Maiwald so gut, weil er beschönigt nichts, er jammert nicht und was mir besonders gefällt er hat viel Verständnis für jene, die im Wohlstand aufgewachsen sind und jene Not nicht kennengelernt haben, die für viele über 70-jährige normal gewesen ist.

"Für Kinder und Jugendliche, die heute in einem Luxus aufgewachsen sind, in dem es alles und jedes in jeder Menge zu haben gibt, für die ist es - ich sag jetzt was Blödes - wenn es statt zehn Farben an Lippenstiften nur mehr drei gibt, ist das eine kleinere Katastrophe.
Wenn man im Luxus groß geworden ist und von diesem wird ein Stück weggenommen, dann wird das schon zum Problem."

 

Ziemlich am Ende des Gesprächs - ungefähr nach sechs Stunden - antwortet er auf die Frage nach der Planung seines Lebens:

"Warum Pläne machen, das Leben nehmen wie es kommt.
Ich hätte nie geplant, eine eigene Firma zu gründen.

Ich hätte mich nie getraut.
Ich hätte nie geplant, berühmt oder berüchtigt zu werden.
Ich hätte nie geplant, Geschichten zu erzählen, was ich nun die ganze Zeit tue.
Ich hätte nie geplant, vor einer Kamera zu stehen und den Grüß-Gott-August zu machen.
Weil ich es nie geplant habe, mach ich es und bin mehr oder weniger reingestolpert, reingestoßen worden, vom Schicksal reingeschubst worden."


Keiner kann die Mutfrage beantworten,

bevor die Zumutung an ihn herantritt

Erich Kästner

 

Während einige im Blick auf die jüngere Geschichte den Angriff Putins auf die Urkraine als massives Unrecht gegen das Völkerrecht ansehen, ist es für andere eine Zumutung, dass Waffen geliefert werden. Falls Sie sich über die unendliche Fragilität der Freiheit inspirieren lassen wollen, kann ich den Podcast FREIHEIT DELUXE mit Claudia Major sehr empfehlen.

 

Also, die Mutfrage, die jede und jeder nur persönlich beantworten kann, hat sehr viel mit der Sichtweise zu tun, was man selbst als Zumutung empfindet.

Vor mehr als einem Jahr sprach Olaf Scholz, der deutsche Bundeskanzler nach dem Angriff Putins auf die Ukraine von einer Zeitenwende: „Wir erleben eine Zeitenwende. Und das bedeutet: Die Welt danach ist nicht mehr dieselbe wie die Welt davor. Im Kern geht es um die Frage, ob Macht das Recht brechen darf.“

 

Eigene Stärke entsteht nicht nur aus uns selbst, sondern kommt von all jenen Menschen, die uns begegnen und uns begleiten. Wer hat Sie durch Aussagen oder durch sein Leben inspiriert?

Mich haben einige Menschen geprägt und ich habe mich von sehr vielen inspirieren lassen. Viktor Frankl war für mich ein guter Menschenlehrer, der in seiner Sinnlehre den Menschen einiges zugemutet hat.

Obwohl ich über siebzig bin, begeistert mich die Logotherapie und Existenzanalyse noch immer. Gerne möchte ich Menschen einiges zur Verfügung stellen, was ermutigt und auch zu verwirklichen ist. Mit meiner Tochter Tina,  habe ich einen gemeinnützigen Verein zur Pflege der Sinnlehre von Viktor Frankl gegründet und möchte auf diese Weise, Menschen mit Gedanken inspirieren und zum Nachdenken anregen.


Es ist manchmal gut, die Sorgen so zu behandeln,

als ob sie nicht da wären,

das einzige Mittel, ihnen die Wichtigkeit zu nehmen.

Rainer Maria Rilke

 

Im Alpenpodcast der Wochenzeitung DIE ZEIT haben sich Florian Gasser und Lenz Jacobsen am 22. Februar über das Fasten Gedanken gemacht. Sie haben auch gefragt, ob Zuhörer*innen Ideen zu einer anderen Art des Fastens haben. Ich habe nachgedacht und mir fiel ein, dass ich ein SORGEN-FASTEN einführen könnte. Praktisch sieht das so aus: Tauchen in meinen Gedanken Sorgen auf, welche die Zukunft betreffen, dann frage ich mich: „Woher weiß ich, dass dies eintreffen wird?“ Ich weiß es nicht! Das Leben ist unvorhersehbar, daher hat es wenig Sinn, dass ich mich um die Zukunft sorge.

 

Keinesfalls sollten wir uns von unseren sorgenvollen Gedanken lähmen lassen.

 

Werde ich mit Sorgen anderer konfrontiert – die derzeit oft einer Art Grusel-propaganda gleicht – frage ich: „Woher weißt du das? Wer sagt das?“ Meistens erhalte ich auf diese Frage kaum verständliche und wenig sinnvolle Begründungen. Viel zu oft habe ich mir Sorgen über Dinge gemacht, auf die ich keinen Einfluss hatte und eingetroffen sind sie auch nicht. In diesem Sorgen verliere ich mein Vertrauen ins Leben und vergesse die Tatsache, dass ich nie sicher sein kann und das einzige was ich beitragen kann: Vertrauen. Vertrauen, dass meine Kinder und ich die Kraft haben werden Schwierigkeiten gemeinsam zu bewältigen.


Jänner 2023

In diesen Zeiten der Krise, wird immer auch schon eine neue Zeit geboren.

Gerade in solchen Zeiten wird jeder einzelne mit einer unerhörten,

großen und schweren, aber herrlichen Verantwortung belastet:

von jedem einzelnen hängt es ab, was aus dieser Zeit hervorgeht.

Viktor E. Frankl

 

Für mich beginnt ab Jänner ein neuer Lebensabschnitt und bei allem Optimis-mus ist der Weg, der noch vor mir liegt, wesentlich kürzer als jener, der hinter mir liegt.

Die letzten zwanzig Jahre waren von der Weitergabe der Sinnlehre von Viktor E. Frankl geprägt. Für mich ist das wesentliche Kernelement der Logotherapie und Existenzanalyse Freiheit in Verbindung mit Verantwortung. Deshalb war Ermutigung zur Selbstbestimmung – die ohne realistische Selbsterkenntnis nicht zu erreichen ist – immer das Wesentliche. Wie ein Mensch von der Theorie über den praktischen Alltag zur Erkenntnis gelangt, kann niemals vorgeschrieben werden und dafür gibt es auch kein Rezept.

 

In dieser aufmüpfigen Haltung habe ich seit 2015 mit viel Lebensfreude, Begeisterung und Dankbarkeit Lehrgänge für Lebensberatung auf Basis der Logotherapie gestaltet. Seit September 2022 gibt es in Österreich für die Durchführung dieser Ausbildung ein neues Gesetz. Die Inhalte und Vorschriften schränken die Freiheit, zur Ermutigung selbständig zu denken enorm ein. Vieles – auch das Unberechenbare – wurde auf Messbarkeit, Beweisbarkeit und Kontrolle reduziert. Daher habe ich mit Ende Dezember alle Berechtigungen, die an gesetzliche Formalitäten gebunden sind, zurückgelegt. Erneut werde ich einer Beschreibung gerecht, die mir zwei sehr liebe Menschen zu meinem 70er geschenkt haben: Die beeindruckende Gesetzlose aus den Bergen.

 

Aus meiner Sicht ist der größte Feind selbstbestimmt und verantwortlich zu leben, die falsch verstandene Harmonie. Dort wo Harmonie als absolutes Ziel unausgesprochen im Raum schwebt, werden alle schöpferischen Werte und die Einmaligkeit des Menschen nivelliert. Dieser „fauler Friede“ ebnet den eigenen Geschmack ein und verlangt Einfalt statt Vielklang. Das bedeutet, man darf nur mehr das sagen, was die anderen nicht stört.

 

Freiheit bedeutet für mich, das, was mich berührt und begeistert in dieser „großen und schweren, aber herrlichen Verantwortung“ zu leben. Ich werde weiterhin schreiben, Vorträge und Seminare halten ich vertraue dem Leben selbst, der Lebendigkeit, dem Ideenreichtum und der Kreativität in meiner Arbeit. „Spielräume im System entdecken“, so lautete ein Seminar, das ich vor einigen Jahren angeboten habe und nun gilt diese Aufforderung für mich selbst.

 

Das neue Buch von Wolf Lotter „Unterschiede“ und zwei Fragen, die Martin Schleske in seinem Buch „WerkZeuge“ schreibt, werden mich dabei begleiten:

„Geht es mich etwas an?

UND

Kann ich etwas daran ändern?

Nur wenn ich beide Fragen bejahen kann, haben sie meine Aufmerksamkeit verdient.“

Da für mich noch einmal eine Art "Stunde Null" beginnt, habe ich mich an den Stundenull-Talk mit Stefan Hund erinnert.

Als Logotherapeutin und Autorin liebe ich es mit Worten und Begriffen zu spielen, ohne jedoch Begriffe in eine Definitionsmacht oder die Sinnlehre von Viktor Frankl in ein Dogma zu verwandeln.