Im Ringen um Offenheit erscheint mir die Absage an das Rezeptdenken
als das entscheidende Rezept.
Bernhard Pörksen
Manchmal wirft uns das Leben Steine mitten auf unseren Weg. Die Steine verhindern das Weitergehen im Moment und verlangen einen Stop, ein Innehalten.
Menschen, die To-do-Listen verwenden, kommen an der Erfahrung, dass Steine den Weg versperren, nicht vorbei. Wer an seinen Überzeugungen festhält, obwohl das Leben selbst Gewohnheiten und eigene Ansprüche stört, wird vom Leben selbst hin und wieder enttäuscht. Planungen und Überzeugungen können sich in Hindernisse verwandeln. Das Leben selbst verhindert das Geplante. Die Steine mitten auf dem Weg sind „Zwischenfälle“, mit denen das Leben „stört“ und das Leben selbst verlangt ein bewusstes Hinschauen.
Niemand kommt auf einem geraden Weg ohne Steine auf dem Weg durchs Leben. Selbstreflexion ist gefragt und innehalten. In Ruhe nachdenken, wie die Hindernisse überwunden werden können, ist gefragt. Vielleicht entdeckt man mitten im Nachdenken Kreativität mitten in der Verzweiflung.
das es geschaffen hat.

Es gibt Menschen, die ein Ergebnis, welches durch eine bestimmte Leistung zu erbringen ist als Voraussetzung ansehen, um den Wert eines Menschen anzuerkennen. Diese Menschen haben sich ein Bild von einem Menschen gemacht. Je weniger dieser Mensch ihrem Bild entspricht, umso intensiver fordern die ausschießlich Leistungsbewussten von anderen, dass sie sich anstrengen sollen und kommen mit neuen Vorschlägen, was zu tun sei. Einige, die diese Ansichten umsetzen sollen, haben bereits viel versucht und sind köperlich und seelisch erschöpft. In diesem – manchmal bedrohlichen – Erschöpfungszustand wird jede Anregung als Überforderung empfunden.
„Unser Wert liegt in unserem inneren Wesen, in dem,
was wir sind, und nicht in unserer äußeren Erscheinung –
weder in unseren Leistungen noch in in unserem Geschlecht.“
Dieser Gedanke von Desmond Tutu könnte als Inspiration dienen.
Nun wäre Erkenntnis gefragt und dazu ist ein Hinschauen erforderlich, und zwar von jenen, denen bereits viel in ihrem Leben gelungen ist. Nicht jede junge Frau und jeder junge Mann verfügen über jene Belastbarkeit, welche unsere Gesellschaft derzeit fordert. Viel zu häufig wird Belastbarkeit als selbstverständlich vorausgesetzt. Damit verlieren die sogenannten Erfolgreichen die Fähigkeit zum Mitgefühl. Betroffenheit zu zeigen würde die Viel-Leister an ihre eigenen Überforderungen erinnern und dies tut weh. Das Erkennen der angerichteten Schäden löst intensiven Schmerz aus. Um diese seelische Belastung zu ertragen, braucht es Menschen, die Verständnis haben und es aushalten, nichts zu tun. Keineswegs geht es um eine Schuldzuweisung, sonden um den Mut Betroffenheit zu zeigen. In den meisten Fällen wäre Verständnis für das, was man selbst zu spät erkannt hat, eine Möglichkeit Traurigkeit zuzulassen. Die eigene Belastungsfähigkeit rechtzeitig wahrzunehmen und Worte zufinden, um körperliche oder seelische Begrenzung mitzuteilen, ist wesentlich, um das Mitgefühl zu pflegen.
erscheint Feinfühligkeit schnell wie ein Mangel,
den es zu beheben gilt.
Diese Schlussfolgerung ist jedoch oberflächlich und irreführend.

Ein Geheimnis des Lebens ist die Kraft zum Tätigwerden dessen,
was ich erkannt habe.
Mit diesem Gedanken bin ich vor kurzem aus einem Traum erwacht. Ich staune immer wieder. Wenn ich mich dann erinnere, dass der Traum überwiegend jene Sprache wählt, welche die Träumende am besten versteht, wundere ich mich nicht mehr.
Doch nicht für jede und jeden ist der Zugang über die Sprache hilfreich.
Erkenntnis ist nur ein Teil auf dem Weg zu einem gelingenden Leben. Das Umsetzen der Erkenntnis ist das Entscheidende. Seit langem bin ich dankbar, dass mich mein Leben mit „Zwischenfällen“ gestoppt hat und ich genügend Zeit hatte über meine Irrtümer nachzudenken. Froh bin ich, dass ich auch die Kraft hatte, das, was ich als Irrtum erkannt hatte, zu ändern. Allerdings hat es es manchmal lange gedauert, bis ich den Gipfel der Klarheit durch den Nebel meiner eigenen Irrtümer sehen konnte.
Inge Patsch

Konkrete Vorstellung für zukünftige Möglichkeiten
Viktor Frankl schildert wie sehr ihm seine konkrete Vorstellung geholfen hat, die Unerträglichkeit des Augenblicks doch zu ertragen.
„Da gebrauche ich einen Trick: plötzlich sehe ich mich selber in einem hell erleuchteten, schönen und warmen, großen Vortragssaal am Rednerpult stehen, vor mir ein interessiert lauschendes Publikum in gemütlichen Polstersitzen – und ich spreche; spreche und halte einen Vortrag und all das, was mich so quält und bedrückt, all das wird objektiviert und von einer höheren Warte aus gesehen und geschildert… Und mit diesem Trick gelingt es mir, mich irgendwie Trotzdem über die Situation, über die Gegenwart und über ihr Leid zu stellen.“
Aus:…trotzdem Ja zum Leben sagen, Viktor E. Frankl
Das Beschreiben konkreter Situationen, die in Zukunft möglich sind, wäre eine Möglichkeit, sich selbst und andere zu ermutigen.