Aktuelle Gedanken

100 Jahre Logotherapie

Viktor Frankl ist für mich ein Meister in Sachen Lebensweisheit geworden.
Er lehrt mich Kostbares: Staunen, wozu der Mensch fähig ist, Versöhnung mit dem, was nicht zu ändern ist und vor allem Heiterkeit und Lebensfreude.
Persönlich begegnen durfte ich ihm auch. Doch völlig in Bann gezogen hat mich Viktor Frankl in einem Gespräch mit Reinhold Messner im Jahr 1985 in einer Sendung des ORF. In den Antworten, die er dem Bergsteiger Messner gegeben hat, sagte er vieles, was schon lange in mir schlummerte, wofür ich selbst bis dahin keine Worte gefunden hatte. Mein Mut zur Freiheit bekam durch seine Gedanken besonders viel Nahrung und mein Vertrauen in seine Sinnlehre wurde unbeirrbar und unerschütterlich.

Das Staunen darüber, dass ein Mensch Worte findet für das, was ich empfinde ist in den vergangenen vierzig Jahren gewachsen. Respekt vor dem Leben von Viktor und Elly Frankl trifft nicht ganz das, was mich bewegt. Es ist vielmehr eine heilige Scheu vor dem Leben dieser Frau und dieses Mannes.
Besonders erkenntnisreich war für mich Frankls Sichtweise, dass es keine Kollektivschuld gibt. Schuld gibt es nur dort, wo ich auch verantwortlich bin für das, was ich tue und für das, was ich nicht versuche.
Jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens auf irgendeine Weise schuldig. Jeder Mensch erlebt Enttäuschungen und Verletzungen durch andere. Das Thema Schuld gehört zur „tragischen Trias“. Zu diesen tragischen „Drei“ zählen außer der Schuld, unterschiedliche Leiderfahrungen und der Tod.

Der Abschied von der eigenen Machbarkeit, beginnt mit der Akzeptanz, dass es im Leben nicht nur Sonnentage gibt. Solange Menschen nur am Wissen interessiert sind, wie sie unangenehme Dinge vermeiden können, zähmen sie ihre Berührbarkeit und beherrschen ihre Betroffenheit mit Zynismus. Mit dem Lebendigen kommen wir vor allem dann in Resonanz, wenn wir unseren geplante Vorstellungen weniger Beachtung schenken und unserem Empfinden mehr Raum geben.

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