Das Leben ist eigenartig, es bringt einem etwas,
was man überhaupt nicht erwartet.
Eleonore (Elly) Frankl
1925 – 2026
Elly Frankl, die Witwe von Viktor Frankl ist am 10. Juni 2026 in Wien gestorben.
Mehr als fünfzig Jahre waren Elly und Viktor Frankl verheiratet und wohnten in der Mariannengasse in Wien. Sie begleitete ihn nicht nur auf allen Reisen in die ganze Welt. Sie hatte ihr Arbeitszimmer neben seinem und war dabei, wenn Menschen aus aller Welt Viktor Frankl besucht haben. Bei allen besonderen Begegnungen, welche das Ehepaar Frankl gemeinsam erlebt hat, durfte eines nie fehlen: Der Humor.
Im Buch „Erlebnisse und Begegnungen in der Mariannengasse 1. Eine Biographie in Bildern“ erzählt Elly Frankl vom Besuch von Martin Heidegger.
„Als Martin Heidegger das erste Mal bei uns zu Besuch war, redeten die beiden an die drei Stunden. Während einer kurzen Pause sagte ich zu Heidegger: „Jetzt sitze ich drei Stunden da, zwei erwachsene Männer unterhalten sich in meiner Muttersprache und ich verstehe kein Wort, was bedeutet so etwas?“ Dabei schaute ich Heidegger an. Er fängt an zu schmunzeln und sagt: „Das hat eigentlich noch nie jemand zu mir gesagt.“ Daraufhin ich: „Dann war’s höchste Zeit, dass Ihnen das einmal jemand sagt.“ Ihm gefiel das und wir haben uns dann wirklich gut verstanden.

„Der Sinn von Logotherapie ist Arbeit!“
Elly Frankl
Dies sagte Elly Frankl in der Sendung des ORF „Menschenbilder“ im Jahr 2001.
Damals gab es noch Audiokassetten und ich bin so froh, dass ich diese Sendung aufgenommen habe. Manchmal, wenn ich selbst Ermutigung brauche, höre ich mir das Gespräch an und genieße ihr Lachen.
Das Foto stammt von einem Besuch in ihrer Wohnung im Juni 2022.
muss viel lernen!“

Eine Begebenheit in der Mariannengasse von Viktor Frankl erzählt.
„Wenn ich diktiere, bin ich so in die Materie vertieft, dass ich alles um mich herum vergesse: Ich habe keine Ahnung, wie spät es inzwischen geworden ist. So kann es denn auch passieren, dass ich noch im Bett liege, das Diktiergerät neben mir, das Mikrofon in der Hand, und drauflos diktiere, obwohl Elly mir bereits angedeutet hat, dass wir in einer halben Stunde zu Bahn müssen.
Um mich noch einmal zu mahnen, geht sie langsam und leise durch mein Zimmer. Da sage ich zu ihr, ganz vertieft ins Diktat, bei dem ich ja auch die Interpunktionen diktiere: „Elly, Beistrich, bitte lass mir das Bad ein, Rufzeichen!“
Erst als sie mit dem Lachen herausplatzte, bemerkte ich, dass ich mit ihr im Diktierjargon gesprochen hatte.
Aus: Erlebnisse und Begegnungen in der Mariannengasse 1. Tyrolia 2006
„Es war eine schöne Zeit, eine herausfordernde Zeit„,
diesen Satz sagte Elly Frankl im Laufe eines Gesprächs immer wieder.
Nach dem Tod ihres Mannes im September 1997 empfing sie Besucher aus aller Welt und wurde zu vielen Tagungen eingeladen.
Von der Tagung „Die Zukunft der Logotherapie“ im März 2012 gibt es eine Aufzeichnung.