Aktuelle Gedanken

Wir verzweifeln nur an dem, was wir vergötzen

Das Hauptproblem ist der Götzendienst. Zum Götzen werden jene „Werte“, die zur absoluten Voraussetzung werden, um Wünsche zu erfüllen, sich wohlfühlen zu können oder um dazuzugehören.

Urlaube sind eine gute Sache – doch wird das Urlaubsziel zur Bedingung des Wohlfühlens, dann wird der Urlaubsort zum Trugbild. Manche laufen den selbstgestylten Trugbildern hinterher und können nicht mehr wahrnehmen, was außer diesem Wunschziel noch wertvoll ist.

Auf Dauer macht nur das zufrieden, was man schön findet und ohne übermäßigen Einsatz erreichbar ist. Götzen verstellen die Wirklichkeit und wer übersieht, dass sich gute Dinge in Tyrannen verwandeln können, entdeckt oft zu spät, wofür er Zeit und Geld eingesetzt hat.

Können wir von ei­ner Ty­ran­nei der Wer­te spre­chen?
Oder sind Wer­te, die ty­ran­ni­sie­ren kei­ne Wer­te mehr?
Grund­sätz­lich sehen wir in der Existenzanalyse und Logotherapie Werte als bedeutungsvoll und als Basis für ein sinnvolles Leben. Ich meine, dass Wer­te et­was Gu­tes, et­was Ermutigendes, et­was Wahr­haf­ti­ges bein­hal­ten und dass sich das Wahr­haf­ti­ge bei der Ent­fal­tung der Wer­te aus­brei­tet und zeigt. Wer­te for­dern uns her­aus, sie spor­nen uns an, sie ge­ben uns ei­ne Rich­tung und sie sind Orien­tie­rungs­hil­fe. Sie zei­gen, was wir mögen und wo­hin wir uns be­we­gen kön­nen oder könnten. Wer­te sind un­ver­zicht­ba­re Wegweiser zu einem ge­lin­gen­den und sinn­vol­len Le­ben. So hat Viktor Frankl einen zentralen Satz der Logotherapie formuliert:

Jetzt könn­te man sich’s leicht ma­chen und sa­gen: „Das ist ja wunderbar, wir wis­sen was Wer­te sind. Wir sa­gen euch wel­che Wer­te zu ver­wirk­li­chen sind und ihr wer­det ein glück­li­ches Le­ben füh­ren.“ Je­der Ge­dan­ke, je­der Ver­such, der sich in die­se Rich­tung be­wegt, trifft nicht das, was Viktor Frankl mit der Verwirklichung von Werten meint. Es ist immer wieder erstaunlich, sobald Werte in Gesetzen festgeschrieben werden, verlieren viele ihre Anziehungskraft. Sollen Wer­te zur Er­fül­lung un­se­res Da­seins bei­tra­gen, können sie nicht ver­ord­net wer­den. Sie kön­nen weder ver­schrie­ben noch beschrieben wer­den. Wer­te, welche das Le­ben mit Sinn er­fül­len, muss der Mensch mit sei­nem ei­ge­nen Ge­wis­sen fin­den.

Un­ser Le­ben in Raum und Zeit ist aber so an­ge­legt, dass in ei­ner be­stimm­ten Si­tu­a­ti­on im­mer nur ein Wert wirk­lich ver­wirk­licht wer­den kann. Was sind mei­ne Grün­de, mich FÜR den ei­nen und GEGEN den an­de­ren Wert zu entscheiden?
„Al­les hat sei­ne Zeit“, weiß schon das Al­te Te­sta­ment zu sa­gen. Wel­cher Wert setzt sich ge­gen ei­nen an­de­ren durch? Es ist möglich, dass der Wert, den ich einem an­de­ren vorgezogen habe, sich in Zu­kunft in ei­ner ri­go­ro­sen und fa­na­ti­schen Wei­se im­mer wie­der durch­setzt. Dann kommt man in die Ge­fahr des Tra­di­ti­o­na­lis­mus im ei­ge­nen Le­ben.
Falls Sie die Mitschrift des Vortrages von Günter Funke lesen möchten, finden Sie den Vortrag auf der Seite „Günter Funke“

„Es gibt nichts, was nicht zum Götzen werden könnte. Die Religionen waren nie frei vom Götzendienst, meistens hat sie Angst dazu getrieben, sich den selbstgeschnitzten Göttern zu unterwerfen. Es sind sozusagen die verständlichsten Götzen, wenn sie auch gefährlich genug waren. Der Hauptgott, der die Welt vernebelt, den Verstand raubt und die Herzen verblödet, heißt Profit.“ So schreibt Fulbert Steffensky und erwähnt auch, dass erst die Kinder oder die Enkel, die „fremden Götter“ ihrer Vorfahren erkennen.
Wir brauchen eine skeptische Vernunft und die Anerkennung der vielfältigen Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen. Dazu kommt die Erkenntnis, dass wir niemals „alles“ verwirklichen können, doch immer etwas. Respekt vor den Werten anderer kann wohl nur entstehen, sofern man das schätzt, was einem selbst viel bedeutet. Die Verleugnung der Vielfalt verhindert gute Gespräche.

Der Historiker, Soziologe und Philosoph Theodore Zeldin empfiehlt ein „Konversationsmenü“. Zeldin möchte Menschen anregen, wieder interessante und tiefgründige Gespräche zu führen. Dazu er – teilweise kuriose – Fragen und Themen gewählt. Die Fragen vermeiden Klischeethemen (Und was arbeiten Sie so?) und bieten Antwortmöglichkeiten, auf die das Internet keine Antworten zur Verfügung stellt.

Welche neuen Prioritäten können wir in unserem Privatleben setzen?
Wann sind Sie am tolerantesten, wann am intolerantesten?
Welche Teile Ihres Lebens waren Zeitverschwendung?
Was ist das größte Abenteuer unserer Zeit?
Was haben die Armen den Reichen zu sagen?
Was haben die Reichen den Armen zu sagen?

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