Wer sagt uns denn, dass wir absolut vollkommen sein müssen?
Ist denn die arme Erde für Engel geschaffen? . . .
Viktor E. Frankl
1926 gründet Viktor Frankl gemeinsam mit Kollegen den Akademischen Verein für medizinische Psychologie.
In einem Vortrag im Rahmen dieses Vereins verwendet er zum ersten Mal den Begriff „Logotherapie“.

„So sehen wir denn, worauf es ankommen mag in diesem Leben
auf unserem Planeten, und worauf nicht.
Es kommt eben einzig auf den Zusammenhang an,
den der Mensch mit der Realität aufweist!
Unfruchtbar dagegen ist alle Auflehnung gegenüber
dem Schicksal und seinen täglichen und stündlichen Forderungen!“
Viktor E. Frankl, Frühe Schriften
von denen jede gleichzeitig Gabe und Aufgabe ist.
Was sie uns „aufgibt“, ist die Erfüllung ihres Sinnes.
Und was sie uns gleichzeitig „gibt, ist die Möglichkeit,
durch solche Sinnerfüllung uns selbst zu verwirklichen.“
Mit Viktor Frankl und seiner Sinnlehre habe ich mich selbst gefunden
Viktor Frankl ist für mich ein Meister in Sachen Lebensweisheit geworden.
Er lehrt mich Kostbares: Staunen, wozu der Mensch fähig ist, Versöhnung mit dem, was nicht zu ändern ist und vor allem Heiterkeit und Lebensfreude.
Persönlich begegnen durfte ich ihm auch. Doch völlig in Bann gezogen hat mich Viktor Frankl in einem Gespräch mit Reinhold Messner im Jahr 1985 in einer Sendung des ORF. In den Antworten, die er dem Bergsteiger Messner gegeben hat, sagte er vieles, was schon lange in mir schlummerte, wofür ich selbst bis dahin keine Worte gefunden hatte. Mein Mut zur Freiheit bekam durch seine Gedanken besonders viel Nahrung und mein Vertrauen in seine Sinnlehre wurde unbeirrbar und unerschütterlich.
Das Staunen darüber, dass ein Mensch Worte findet für das, was ich empfinde ist in den vergangenen vierzig Jahren gewachsen. Respekt vor dem Leben von Viktor und Elly Frankl trifft nicht ganz das, was mich bewegt. Es ist vielmehr eine heilige Scheu vor dem Leben dieser Frau und dieses Mannes.
Besonders erkenntnisreich war für mich Frankls Sichtweise, dass es keine Kollektivschuld gibt. Schuld gibt es nur dort, wo ich auch verantwortlich bin für das, was ich tue und für das, was ich nicht versuche.
Jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens auf irgendeine Weise schuldig. Jeder Mensch erlebt Enttäuschungen und Verletzungen durch andere. Das Thema Schuld gehört zur „tragischen Trias“. Zu diesen tragischen „Drei“ zählen außer der Schuld, unterschiedliche Leiderfahrungen und der Tod.
für die es klare Rahmenbedingungen,
kontrollierbare Regeln und wiederholbare Rezepte gibt.
Wirksam kontrollieren kann man nur
überschaubare geschlossene Systeme.
Aber dafür ist das Leben zu komplex.
Es ist bis zu seinem letzten Atemzug unfertig und überrascht
uns mit immer neuen Wendungen.
Viele Ereignisse können wir durch unsere Entscheidungen
weder herbeiführen noch verhindern.
Deshalb kommt es häufig vielmehr darauf an,
wie wir dem, was wir nicht selbst gewählt haben, begegnen.
Der Abschied von der eigenen Machbarkeit, beginnt mit der Akzeptanz, dass es im Leben nicht nur Sonnentage gibt. Solange Menschen nur am Wissen interessiert sind, wie sie unangenehme Dinge vermeiden können, zähmen sie ihre Berührbarkeit und beherrschen ihre Betroffenheit mit Zynismus. Mit dem Lebendigen kommen wir vor allem dann in Resonanz, wenn wir unseren geplante Vorstellungen weniger Beachtung schenken und unserem Empfinden mehr Raum geben.